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Auswertung von Suchanfragen : Die Top-Manager auf Google

Objektiv vieler Suchbegehren: Tesla-Gründer Elon Musk Bild: Reuters

Eine Auswertung der häufigsten Suchanfragen in Deutschland ergab: Das Interesse an den Neulingen ist in den Unternehmen wie in der Politik groß – aber an einen kommt keiner ran.

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          Dieter Zetsche ist seit mehr als einem halben Jahr in Rente. Zumindest nahm der mittlerweile 66 Jahre alte Manager am 22. Mai seinen Hut als Vorstandsvorsitzender des Autoherstellers Daimler. Auch wenn er einen Tag später noch an die Spitze des Aufsichtsrats des Reisekonzerns TUI rückte – aus dem Fokus einer breiteren Öffentlichkeit ist Zetsche seitdem weitestgehend verschwunden.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Allerdings hat das immer noch gereicht, um im Internet mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen als jeder andere Manager aus dem wichtigsten deutschen Börsenindex Dax. Zumindest wenn man als Maßstab die Anzahl der Anfragen über die Suchmaschine Google zugrunde legt, welche die Nutzer in Deutschland vom Jahresbeginn bis zur zweiten Dezemberwoche getätigt haben. Gezählt wurden dabei nur die Suche nach dem reinen Namen, nicht die Kombination mit anderen Suchbegriffen.

          Nicht nur auf Twitter gibt Trump den Ton an

          In einer exklusiven Auswertung für die F.A.Z. landet Zetsche mit deutlichem Vorsprung vor Christian Klein, dem neuen Ko-Vorsitzenden von Europas größtem Softwarekonzern SAP. Das ist ganz erstaunlich, denn die neue Doppelspitze aus Klein und der Amerikanerin Jennifer Morgan wurde erst im Oktober für die Nachfolge des langjährigen starken Mannes Bill McDermott installiert. Diese Neugierde hat Ola Källenius, den schwedischen Nachfolger Zetsches in der Daimler-Zentrale, auf Platz drei der Abfragen gespült, noch vor Dax-Urgestein Joe Kaeser, den Langzeitchef von Siemens.

          Mit Platz fünf schneidet die andere Hälfte des SAP-Führungstandems – Jennifer Morgan – immer noch leicht besser ab als der Volkswagen-Vorsitzende Herbert Diess, trotz dessen vergleichsweise hoher Medienpräsenz. Deutlich geringer fällt dagegen das Interesse der Internetgemeinde an Oliver Zipse aus, einem weiteren Neuling in der Dax-Chefriege, der in diesem Jahr die Führung des Premiumherstellers BMW übernahm. Selbst sein in der Öffentlichkeit wenig präsenter Vorgänger Harald Krüger lag noch vor ihm.

          Insgesamt ist festzuhalten, dass die Topmanager deutscher Unternehmen im Vergleich zu hiesigen Aufsteigern in der Politik deutlich weniger Interesse wecken. Der Juso-Kevin Kühnert (SPD) vereint zum Beispiel mehr Abfragen der Google-Nutzer auf sich als die fünf meistgesuchten Dax-Manager zusammen. Die beiden Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock kommen auf ähnlich hohe Werte.

          Wenn auch mit deutlichem Abstand, so interessierte die Netzgemeinschaft auch, wer die neue SPD-Kochefin Saskia Esken ist. Schließlich war die baden-württembergische Politikerin bis zur ihrer Kandidatur selbst vielen SPD-Mitgliedern kein Begriff. Esken ist damit auch die Top-Aufsteigerin gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit Blick auf die Suchanfragen, gefolgt von Jennifer Morgan.

          Blickt man auf die Manager aus Amerika, fällt auf, dass es um den Facebook-Chef Mark Zuckerberg im zu Ende gehenden Jahr deutlich ruhiger geworden ist als noch 2018, das vom Datenskandal um Cambridge Analytica geprägt worden war. Gerade zu abgetaucht aus dem Google-Fokus ist sogar Tim Cook, der Apple-Chef. Im Vergleich mit seinem charismatischen Vorgänger Steve Jobs macht sich der Mann an der Spitze des iPhone-Konzerns als Person nahezu unsichtbar.

          Was man wiederum von Elon Musk ganz und gar nicht behaupten kann. Der Gründer und Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla ist als Person immer noch untrennbar verbunden mit der Unternehmensmarke. Seine Auftritte sind es, welche die sagenhafte Aufstiegsgeschichte von Tesla am Leben erhalten und den Börsenfantasien neue Nahrung geben. Erinnert sei an die Präsentation des geplanten Pick-up-Trucks kürzlich, als durch eine mutmaßliche Panne die angeblich bruchfeste Glasscheibe Risse bekam – eine gewaltige Show der Marke Musk.

          Das Ganze wird nur noch von einem überboten: Donald Trump. Für die Google-Auswertung in der F.A.Z. wurde der höchste Suchwert, in diesem Falle von Trump, mit dem Wert 100 indexiert. Alle anderen wurden dazu ins Verhältnis gesetzt und bekamen eine entsprechende Punktzahl zugewiesen. Demnach kommt der amerikanische Präsident tatsächlich auf mehr als doppelt so viele Abfragen wie Tesla-Chef Musk und beweist damit, dass er nicht nur auf dem Kurznachrichtendienst Twitter den Ton angibt, sondern auch die Google-Nutzer elektrisiert. Dabei beginnt der eigentliche Präsidentschaftswahlkampf in Amerika erst noch. Man muss deshalb kein Prophet sein für die Prognose, dass auch 2020 wohl niemand die Google-Suchmaschine derart auf Trab halten wird wie Donald Trump.

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