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Handelskonflikt : Amerika will China zu mehr Importen zwingen

China könnte demnächst mehr Güter aus Amerika importieren. Bild: EPA

Trump schimpft ungebremst über Handelsbilanzdefizite und verbreitet Pessimismus. China hingegen könnte bald einlenken. Davon würde vor allem ein Konzern profitieren.

          China kommt den Vereinigten Staaten im Handelskonflikt entgegen, zeigt aber auch seine Muskeln. Im Vorfeld der Gespräche zwischen Chinas stellvertretendem Ministerpräsidenten Liu He und Spitzenvertretern der amerikanischen Regierung hatte Peking vor kurzem verhängte Importbeschränkungen für Hirse aus Amerika aufgehoben. Zudem hat das Land einer großen Übernahme im Technologiesektor die Freigabe erteilt: Chinesische Kartellwächter stellen sich nicht mehr gegen eine Übernahme der Chip-Sparte von Toshiba durch die amerikanische Investmentgesellschaft Bain Capital.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die chinesische Regierung zeigt sich anscheinend auch zugänglich für den Wunsch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, das weiter wachsende Handelsbilanzdefizit schrumpfen zu lassen. Im Güterhandel war Amerikas Handelsbilanzdefizit mit China im Jahr 2017 auf 375 Milliarden Dollar angeschwollen; in den ersten drei Monaten dieses Jahres wuchs es kräftig weiter. Die chinesischen Unterhändler seien bereit, den Vereinigten Staaten Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar abzunehmen, berichtete die „New York Times“. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wies diesen Bericht allerdings als falsch zurück, nannte die Verhandlungen aber konstruktiv.

          Trump hat die Senkung des Handelsbilanzdefizits als zentrales politisches Ziel ausgegeben. Er könne nicht zulassen, dass die Handelsbilanzdefizite mit China und Europa fortdauerten, bekräftigte er am Donnerstag vor seinem Treffen mit Liu Hen. Er bezweifele überdies, dass die Gespräche zwischen beiden Ländern zu einem Erfolg führten.

          Peking hat zuletzt Stärke demonstriert

          Trotz des Dementis aus Peking gibt es einige Hinweise, dass China bereit ist, mehr Güter aus den Vereinigten Staaten zu importieren. Vor allem die Landwirtschaft, die Gas- und Ölförderer und das Unternehmen Boeing rechnen sich Chancen aus. Boeing ist einer der größten Exporteure nach China, das jedes vierte Flugzeug abnimmt. Ein Boeing-Produktionsstandort in China ist kurz vor der Fertigstellung. Einen Beitrag zur Senkung des Defizits könnten auch die Importe von verflüssigtem Erdgas aus den Vereinigten Staaten beisteuern. Eine entsprechende Forderung hatte Amerikas Wirtschaftsminister Wilbur Ross kürzlich formuliert. Die Aussichten sind realistisch: China will erklärtermaßen die Kohlekraftwerke aufgeben und mehr Gas zur Energieproduktion nutzen.

          Peking hatte zuletzt Stärke demonstriert. Das Land hatte für einige Wochen den Kauf von amerikanischen Sojabohnen eingestellt und Zukäufe aus Russland verkündet. Sojabohnen sind eines der wichtigsten Exportgüter der Vereinigten Staaten. Zudem blieben Autolieferungen aus den Vereinigten Staaten ungewöhnlich lange in der chinesischen Zollabfertigung stecken. Das galt für Ford und für die deutschen Autobauer BMW und Mercedes, die in Amerika einige Modelle für den Weltmarkt produzieren.

          Auch Japan droht mit Strafzöllen

          Die deutschen Autobauer waren abermals Gegenstand der Kritik des amerikanischen Präsidenten: Während es amerikanischen Bauern nicht erlaubt sei, Produkte nach Europa zu liefern, schütte Deutschland Amerika zu mit ihren Mercedes- und BMW-Fahrzeugen. Allerdings legt sich Trump nicht nur mit dem Ausland an, auch die inländische Industrie ist in großer Sorge über den Kurs in den China-Verhandlungen. In einer am Donnerstag zu Ende gegangenen Anhörung des Handelsministeriums wendete sich die Mehrheit gegen hohe Strafzölle auf chinesische Importe, darunter die Amerikanische Handelskammer. Trump hatte Schutzzölle auf chinesische Importe im Wert von 150 Milliarden Dollar angedroht.

          Derweil hat Japan seinen Kurs des ruhigen Dialogs verlassen, mit dem Tokio Ausnahmen von Zöllen erreichen wollte: Am Freitag meldete Japan der Welthandelsorganisation in Genf, dass es notfalls „Ausgleichsmaßnahmen“, also Vergeltungszölle, im Wert von 50 Milliarden Yen (rund 450 Millionen Dollar) erlassen werde.

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