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Freiwilligendienst abgebrochen : Heimwärts statt weltwärts

Halfen gemeinsam im Lusubilo-Projekt: Cara Boyles und Patricia Haibt (rechts) Bild: Cara Boyles/privat

Zwei junge Frauen wollen ein Jahr lang Kinder in einem Waisenhaus in Malawi unterstützen. Das Coronavirus zwingt sie, ihren Freiwilligendienst vorzeitig zu beenden. Wie ihnen ergeht es Tausenden jungen Deutschen.

          6 Min.

          „Als der Anruf kam, habe ich nur gedacht: Lasst mich bitte hier, lasst mich meinen Dienst beenden.“ Im August 2019 hat Patricia Haibt ihren Freiwilligendienst in einem Waisenhaus im Norden Malawis begonnen. Sie arbeitete im Kindergarten, bei der Ernte auf dem Feld oder an der Ausgabestelle für Milchpulver. Sie fühlte sich wohl. Bis die Coronavirus-Krise sie verfrüht zur Heimreise zwang, so wie etwa dreitausend andere junge Erwachsene. Sie alle waren gerade über das „Weltwärts“-Programm, den entwicklungspolitischen Lerndienst des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ), im Ausland, als die Ausbreitung des Virus weltweit zu Reisebeschränkungen und Grenzschließungen führte.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Mitte März wurde auf der „Weltwärts“-Webseite bekanntgegeben, dass alle Freiwilligen des Programms wegen der Pandemie nach Deutschland zurückkehren sollen. Was dort nicht stand: Hunderte junge Menschen waren nun gezwungen, einen Aufenthalt abzubrechen, für den sie in ihrem Leben ein ganzes Jahr reserviert hatten, ein Jahr, um Neues zu lernen, über sich, die eigene und andere Kulturen, ein Jahr für ein Abenteuer im Ausland. Ein Jahr, in dem sie auch eine Ausbildung oder ein Studium hätten beginnen können.

          Kein bestätigter Corona-Fall in Malawi

          Die Nachricht über die geplante Rückholung war ein Schock für Haibt. „Ich bin erst mal in Tränen ausgebrochen“, berichtet die Neunzehnjährige am Telefon. Seit zwölf Tagen ist sie wieder zurück in Deutschland, in ihrem Heimatort zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald.

          Musste ihren Freiwilligendienst in einem Waisenhaus in Malawi vorzeitig abbrechen: Patricia Haibt
          Musste ihren Freiwilligendienst in einem Waisenhaus in Malawi vorzeitig abbrechen: Patricia Haibt : Bild: Patricia Haibt/privat

          Haibt war nicht die einzige Freiwillige im Lusubilo-Projekt. Auch die 18 Jahre alte Cara Boyles aus Berlin machte dort über das katholische Hilfswerk Misereor ihren Freiwilligendienst. Die beiden Frauen teilten sich eine kleine Wohnung auf dem Gelände des Waisenhauses, standen morgens zusammen auf und legten sich abends im selben Zimmer schlafen.

          Die große Nähe, die in den vergangenen Monaten manchmal anstrengend gewesen war, tat beiden in der schwierigen Situation gut. „Wenn die eine am Boden war, hat die andere sie wieder hochgezogen“, sagt Haibt. Noch am selben Abend packten die Frauen ihre Koffer. „Wir mussten irgendetwas tun, um nicht komplett zu verzweifeln.“ Dann nahmen sie sich vor, die letzten Tage so gut wie möglich zu nutzen, sich zu verabschieden, von den Kindern, den Kollegen, den Freunden.

          Viel Zeit blieb nicht: Am Dienstag bekamen sie ihre Flugtickets, am Donnerstag sollten sie Richtung der Hauptstadt Lilongwe aufbrechen, um von dort am Freitag zurück nach Deutschland zu fliegen. Ihr Chef organisierte noch eine kleine Abschiedsparty, aber das Unverständnis war groß. In Malawi war das Coronavirus Mitte März noch weit weg. Es gab – und gibt – keine offiziellen Zahlen zu Infizierten, Schutzmaßnahmen wurden, wenn überhaupt, nur in den größeren Städten ergriffen. Von Pandemie-Panik keine Spur.

          „Deshalb konnte auch niemand verstehen, warum wir zurück nach Deutschland sollten, wo es ja Fälle gab“, sagt Haibt. Die Sorge, dass nun zwei Arbeitskräfte wegfallen würden, sei dabei aber kein Thema gewesen. „Als ‚Weltwärts‘-Freiwillige sollen wir ja keine regulären Arbeitskräfte ersetzen, sondern nur unterstützend mitarbeiten.“ Am schwierigsten sei es gewesen, den Kindern zu erklären, warum sie nicht wie geplant bis Juni blieben. „Sie sprachen nur wenig Englisch und wir noch weniger Chitumbuka.“

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