Politische Bücher :
Manipulative Geschichtserzählungen

Von
Ulrich Schmid
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Glorreich muss Geschichte sein: Wladimir Putin im März im Museum für Geschichte und Völkerkunde
Glorreich muss Geschichte sein: Wladimir Putin im März im Museum für Geschichte und VölkerkundePool Sputnik Kremlin/AP

Putin setzt Geschichte als Waffe ein. Westliche Historiker streiten darüber, ob in Moskau ein „faschistisches Regime“ an der Macht ist.

Campino, der Leadsänger der „Toten Hosen“, verweigerte vor vierzig Jahren den Wehrdienst. Im Mai 2022 sagte er, dass er sich heute wohl anders entscheiden würde. Mit diesem Statement, das exem­plarisch für eine heute anstehende Neubewertung früherer Positionen zu Krieg und Frieden stehen kann, eröffnen die Historiker Sybille Steinbacher und Dietmar Süß einen Band mit Beiträgen zu einer Konferenz in Dachau, die im Oktober 2022 stattgefunden hat. Die Frage, die alle Teilnehmer umtrieb, lautete: Welche Entwicklungen haben zur Kata­strophe vom 24. Februar 2022 geführt? Natalia Kolyagina antwortet mit dem Hinweis auf die fehlende staatliche Aufarbeitung der Sowjetverbrechen. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es Hoffnung auf eine kritische Vergangenheitsbewältigung. Besonders die Gesellschaft Memorial erwarb sich große Verdienste bei der Dokumentation und Aufarbeitung der kommunistischen Repressionen. Allerdings führte der Tschetschenienkrieg erneut zu einem patriotischen Schulterschluss in der Gesellschaft. Während seiner ersten beiden Amtszeiten war Wladimir Putin mit dem Aufbau der Machtvertikale beschäftigt und zeigte wenig Interesse an der Geschichtspolitik. Unter Präsident Medwedjew kam es zu einer vorsichtigen Liberalisierung, die sich aber in engen Grenzen bewegte. So wurde zwar ein Gulag-Museum eröffnet, aber gleichzeitig wachte eine Expertenkommission über die „historische Wahrheit“. Nach dem Protestwinter 2011/2012 setzte Putin die nationale Geschichte als Machtressource ein.

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