Wahlkampf in Hessen : Der Feind des Wahlkämpfers

Im Wahlkampf kann der Bundestrend nutzen – oder zum größten Problem werden. In Hessen dürfte so mancher daher schon jetzt nervös nach Berlin schauen und sich wünschen, er hätte mehr Zeit.
Zeit ist in Wahlkämpfen relativ. In Hessen etwa wollen drei Politiker das Land künftig führen – und alle drei dürften mit unterschiedlichen Gefühlen auf die Zeit bis Anfang Oktober schauen. Für Ministerpräsident Boris Rhein können die Monate nicht schnell genug vorbeigehen: Bislang liegt seine CDU in Führung, noch mit komfortablem Vorsprung. Aber vier Monate sind genug Zeit, um Fehler zu machen – oder noch von der Blutleere der Bundes-CDU in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Jeder Tag zählt
Für Grüne und SPD dagegen zählt jeder Tag. In der jüngsten Umfrage haben die Sozialdemokraten die Grünen überholt. Ob es tatsächlich zu dem Zweikampf zwischen Rhein und Nancy Faeser kommt, hängt einerseits davon ab, wie glaubhaft ihr der Spagat zwischen SPD-Spitzenkandidatin und Bundesinnenministerin gelingt. Und andererseits von der grünen Konkurrenz.
Derzeit belasten auch der Heizungsstreit und der EU-Asylkompromiss die Hessen-Grünen. Vorsorglich weist man daher darauf hin, dass die wahlentscheidenden Monate erst noch bevorstünden, und gibt sich unaufgeregt und betont bürgerlich – das war schon immer das Rezept unter Al-Wazir. Ob es jedoch reicht, den Ministerpräsidenten abzulösen? Man könnte mutmaßen, dass hier das gilt, was man sonst gerne in anderem Zusammenhang sagt: Am Ende stimmt der Wähler doch für das Original.






