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Friedrich Merz in Apolda : Und die Basis jubelt

Der Noch-Landesvorsitzende der CDU in Thüringen, Mike Mohring (r.), beklatscht am Mittwochabend den Auftritt von Friedrich Merz in Apolda beim politischen Aschermittwoch. Bild: dpa

Beim politischen Aschermittwoch im thüringischen Apolda startet Friedrich Merz voll durch. Für Thüringens CDU-Chef Mike Mohring jedoch ist es jetzt erstmal vorbei.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          Zwei Stunden muss der Kandidat aushalten, bis er endlich auf die Bühne darf. Aber Friedrich Merz sitzt tapfer in der Festhalle der Vereinsbrauerei Apolda auf einer Bierbank ganz vorn, eingeklemmt zwischen dem Bundestagsabgeordneten Christian Hirte und Thüringens CDU-Vorsitzenden Mike Mohring. Letzterer hat hier ein Heimspiel, bei dem seine Niederlage diesmal jedoch schon zuvor feststeht: Für Mohring ist es am Aschermittwoch tatsächlich so gut wie vorbei, am Montag schon will er den Vorsitz von Landes-CDU und Landtagsfraktion in Erfurt abgeben. Hirte ist einer seiner mutmaßlichen Nachfolger, der seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt, aber der aus Sicht der Thüringer Parteibasis den enormen Vorteil hat, von der Kanzlerin persönlich als Ostbeauftragter der Bundesregierung gefeuert worden zu sein. An diesem Abend spielt Hirte jedoch keine Rolle und verkrümelt sich beizeiten in hintere Reihen, während Mohring vorn noch mal zu Hochform aufläuft.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Ich bin froh wieder zu Hause zu sein“, ruft er in die mit 1500 Menschen seit Wochen ausverkaufte Halle. Mohring stammt aus Apolda, einer Kleinstadt zwischen Weimar und Jena, wo er bis heute wohnt. Er wisse, dass die Thüringer CDU derzeit nicht der attraktivste Gastgeber sei. „Aber wir sind der hoffnungsvollste!“ Worauf sich diese Hoffnung gründet, bleibt im Dunkeln, aber Mohring macht es wie so häufig: Er redet sich noch einmal in einen regelrechten Rausch, er gestikuliert, ballt die Fäuste, wischt sich immer wieder den Schweiß von der Stirn. Es sieht aus, als ob er hier nicht seine Abschiedsrede hält, sondern gerade ganz viel werden will. Er spricht von Geschlossenheit, von gegenseitigem Vertrauen in der Politik, die Handlungsfähigkeit beweisen und Verantwortung für das Land übernehmen müsse. Und er beschreibt damit exakt das Gegenteil dessen, was er und seine Partei in den vier Monaten seit der Landtagswahl getan haben.

          In großer Uneinigkeit handlungsunfähig

          Deren Ergebnis ist schwierig, keine Frage, so schwierig wie wohl noch nie irgendwo in Deutschland. Aber Mohring und die CDU haben bis heute keinen Umgang damit gefunden, im Gegenteil: Sie sind in großer Uneinigkeit handlungsunfähig und inzwischen drauf und dran, auch noch den letzten Rest an Vertrauen zu verspielen. Nachdem sie erst mit der Linken und dann mit der AfD anzubandeln versuchten und als Höhepunkt mit deren Stimmen einen FDP-Mann zum Regierungschef wählten, haben sie sich jetzt für eine temporäre Kooperation mit Rot-Rot-Grün entschieden, um Neuwahlen zu vermeiden.

          Mohring aber zeichnet ein Bild voller Hindernisse, die es ihm letztlich unmöglich gemacht haben, die Union als nur drittstärkste Kraft doch noch an der Regierung zu beteiligen. Zwar habe er „mit Sicherheit auch Fehler gemacht“, aber das Haupthindernis sei Berlin und der unselige Unvereinbarkeitsbeschluss gewesen, der mit der Lebensrealität in Thüringen kollidiere. Wer Mohring eine Weile lang zuhört, könnte beinahe glauben, dass er ohne Berlin längst das Land regierte. Dabei hat ein Teil seiner eigenen Abgeordneten seine Abwahl als Fraktionschef erzwungen, und auch als Landesvorsitzender geht er keineswegs freiwillig.

          Das aber ist einerseits eine pure Notwendigkeit angesichts der multiplen Sackgassen, in die Mohring seine Partei geführt hat, andererseits auch tragisch, verliert doch die Thüringer CDU mit ihm auch eines ihrer größten rhetorischen Talente. Mohring kann ohne weiteres einen Marktplatz rocken, das hat er mit Friedrich Merz gemeinsam. Der muss sich die Wartezeit mit Händeschütteln und Selfies vertreiben, bisweilen stiert er aber auch nur an den Festzelthimmel, wo Werbebanner „Es läutet die Glock – Apoldaer Bock“ verheißen. Mohring setzt unterdessen zum dialektischen Finale an, sagt, dass er „jede Minute“ seiner zwölf Jahre als Fraktionschef und fünf Jahre als Landesvorsitzender genossen habe, um gleich darauf seinen Nachfolgern zu wünschen, „dass sie nie das erleben müssen, was ich in den letzten Monaten erleben musste“. Es folgen Dank und eine Verbeugung, und als der Jubel losbricht, legt Mohring seine rechte Hand aufs Herz und verdrückt eine Träne. Jetzt sind alle Menschen in der Halle aufgestanden, auch Friedrich Merz. Er klopft Mohring auf die Schulter.

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