Reformationsjubiläum :
Was Luther noch zu sagen hat

Reinhard Bingener
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Reformator, Politiker, Hassprediger: Ein Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde im Lutherhaus in Eisenach (Archiv)
Reformator, Politiker, Hassprediger: Ein Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde im Lutherhaus in Eisenach (Archiv)dpa

Den Kirchen gelingt es unter modernen Bedingungen kaum noch, Menschen zu gewinnen. Es ist höchste Zeit für eine neue Form des Glaubens.

Die Preußenkönige haben die Wittenberger Schlosskirche im 19. Jahrhundert zu einem nationalprotestantischen Reliquienschrein umgebaut, in dem der Besucher die Hammerschläge förmlich zu hören meint, mit denen Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen dort an die Tür genagelt haben soll. Wenn sich – vier Staatsformen später – die Spitzen von Staat und Kirche am 31. Oktober 2017 abermals an diesem Ort einfinden. um Luthers Reformation zu gedenken, wird auch das wieder ein Versuch sein, den Graben zwischen Vergangenheit und Gegenwart etwas schmaler aussehen zu lassen als er tatsächlich ist. Doch es hilft alles nichts: 500 Jahre sind, gerade auch in Fragen der Religion, eine lange Spanne. Das europäische Christentum ist während dieser Zeit tiefgreifend umgeformt worden. Die zu Dogmen fixierten Wahrheiten, an denen man zu Luthers Lebzeiten das individuelle wie das kollektive Leben noch ausrichten konnte, sind allmählich aus der Gesellschaft verschwunden.

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