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Kindesmissbrauch in Freiburg : Das Versagen des Systems

Die gute Stube des Breisgaus: Blick auf den Staufener Stadtsee Bild: Getty

Ein vorbestrafter Sexualstraftäter hat über Jahre im Breisgau einen Pädophilen-Ring betrieben. Pädokriminelle zahlten viel Geld, um den Sohn seiner Lebensgefährtin zu missbrauchen. Es gab Anzeichen, aber Behörden und Gerichte haben den Jungen nicht geschützt. Wieso?

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          Zum Wohnen suchte sich das pädophile Paar aus dem Breisgau eine Souterrain-Wohnung in Staufen. Von der Terrasse des als klassische Chefarztvilla gebauten Hauses schaut man auf die Staufener Burgruine und die Kleinstadt im Tal. Vor ein paar Jahren geriet Staufen mal in die Schlagzeilen, weil es Hebungsrisse nach einer Geothermiebohrung gab, davon abgesehen, handelt es sich um ein Städtchen, in dem nichts arrangiert werden muss, wenn Fotos für einen Tourismus-Prospekt gemacht werden. Wenn man so will, ist Staufen die gute Stube Freiburgs und des Breisgaus. Dietrich Henninges vermietete die Wohnung für 550 Euro Ende 2016 an Berrin T., ohne zu ahnen, dass die 47 Jahre alte Frau mit ihrem Lebensgefährten Christian L. aus dieser 50 Quadratmeter großen Wohnung einmal einen der schlimmsten Pädophilen-Ringe Deutschlands steuern sollte. Über das Internet und vor allem das Darknet. Der Fall könnte die Dimension des Falls Pascals haben, der in der „Tosa Klause“ im Saarland vor fast zwanzig Jahren missbraucht worden sein soll, die damals beschuldigten Kinderschänder mussten freigesprochen werden. Die Leiche des Kindes ist nie gefunden worden.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Dietrich Henninges gibt derzeit viele Interviews, an seiner Haustür hängt ein Cartoon mit einem Schweinchen. „Ist doch lustig – oder?“, sagt er hilflos, er selbst ist immer noch fassungslos über die Taten des Paares. „Die Frau hat immer nur zu Boden geschaut, der Mann sprach sehr laut, rauchte so viel, dass ich es in meiner Wohnung riechen konnte“, sagt Henninges. Der 81 Jahre alte Mann führte über Jahrzehnte eine internistische Praxis in einem sozialen Brennpunkt Freiburgs. Als Berrin T. sich mit ihrem früheren Vermieter bei ihm vorstellte, wollte er der alleinerziehenden Mutter eigentlich helfen. „Ich habe ein großes Herz.“

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