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Nach Missbrauchsgutachten : Kardinal Marx: „Rücktritt wäre Flucht vor der Verantwortung“

  • -Aktualisiert am

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx am Donnerstag in München Bild: dpa

Den Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Erzbistum nennt Reinhard Kardinal Marx „unverzeihlich“. Doch er tut sich schwer damit, die gegen ihn im Missbrauchsgutachten erhobenen Vorwürfe anzuerkennen.

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          Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sieht nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens für sein Erzbistum vorerst keinen Anlass, zurückzutreten. Papst Franziskus zum zweiten Mal seinen Amtsverzicht anzubieten würde ihm wie eine „Flucht vor der Verantwortung“ erscheinen, sagte Marx am Donnerstag während einer Pressekonferenz in München. Sein Rücktrittsangebot im Juni sei sehr ernst gemeint gewesen. Der Papst habe aber anders entschieden.   Die Münchener Gutachter hatten ihm rechtserhebliches Fehlverhalten in zwei Fällen attestiert.

          Betroffene übersehen zu haben sei seine größte Schuld im Umgang mit sexuellem Missbrauch gewesen,  bekannte Marx. „Das ist unverzeihlich.“ Für die systemischen Gründe trage er als Erzbischof eine „moralische Verantwortung“. Weiter sagte Marx, er sei bereit,  seinen Dienst fortzusetzen, „wenn das hilfreich ist für die weiteren Schritte, die für eine verlässlichere Aufarbeitung, eine noch stärkere Zuwendung zu den Betroffenen und für eine Reform der Kirche zu gehen sind“. Sollte sich aber herausstellen, dass er bei diesem Prozess „hinderlich“ sei, dann werde er das Gespräch mit den betreffenden Gremien des Erzbistums  suchen, um über seine weitere Zukunft zu beraten. Marx bat abermals „persönlich und auch im Namen des Erzbistums“ die Betroffenen um Entschuldigung, aber auch die Pfarrgemeinden,  in denen Missbrauchstäter eingesetzt wurden.

          Marx widerspricht Gutachtern

          Zwar hob der Münchner Kardinal mehrmals hervor, dass er sich nicht verteidigen und die Vorwürfe im Gutachten nicht relativeren wollte. Ohne das Gutachten namentlich zu nennen, widersprach er jedoch dessen zentralen Aussagen über seinen Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt. So hatten die Gutachter moniert, dass er das Thema nicht zur Chefsache erklärt habe und weitgehend seiner Verwaltung überlassen habe. Marx sagte hingegen am Montag: „Der Umgang mit Missbrauch war und ist für mich Chefsache und steht nicht im Gegensatz zum Verkündigungsauftrag.“

          Marx sagte, er sei nicht „gleichgültig“ gewesen. Die Gutachter hatten Marx einen „Mangel an Entschlossenheit und Klarheit“ attestiert, hinter dem sie eine „in der Sache selbst nicht begründete Gleichgültigkeit“ am Werk sahen. Marx verwies darauf, dass Missbrauch in den wöchentlichen Besprechungen mit dem früheren Generalvikar Peter Beer „immer wieder“ Thema gewesen sei. Er und Beer hätten auf diesem Feld gemeinsam vieles in Gang gebracht.

          Auch diese Aussage ist nicht ohne Weiteres mit dem Befund des Gutachtens in Einklang zu bringen. Beer war von 2009 bis Ende 2019 Generalvikar. Erst seit „jüngerer Zeit“ sieht das Gutachten für Marx jedoch Indizien für eine „sich herausbildende eindeutigere und konsequentere Haltung“.

          Münchner Kirchenrichter beurlaubt

          Zugleich gab Marx bekannt, dass der Leiter des erzbischöflichen Kirchen­gerichts, Lorenz Wolf, vorerst alle Ämter ruhen lasse. Er habe Wolf einen Brief geschrieben. Daraufhin habe dieser ihn gebeten, seine Ämter ruhen lassen zu dürfen. Dem habe er entsprochen. Gegen Wolf erhebt das Gutachten schwere Vorwürfe.  

          Im Erzbistum München und Freising soll es nach den Worten von Marx künftig ein „angemessenes Gedenken und Erinnern“ an die Betroffenen sexuellen Missbrauchs geben. „Dabei hoffe ich auf die Beratung mit dem Betroffenenbeirat und anderen“, sagte Marx. Zum Ausdruck kommen solle die Bereitschaft, „die dunkle Seite anzuerkennen, das Signal, daraus zu lernen und in erneuerter Weise eine Kirche zu sein, die für die Menschen da ist, nicht für sich selbst“, so der Kardinal.

          Die Falschaussage des früheren Papstes Benedikt XVI. zur Versetzung eines Missbrauchstäters wollte Marx nicht kommentieren. „Ich akzeptiere, dass er hier die Fakten anders interpretiert, dass er bedauert, und ich denke, er wird sich dazu dann im Ganzen noch einmal äußern. Das wäre auch gut, das würde ich begrüßen“, sagte Marx.

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