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Selenskyj und Melnyk : Mehr Respekt für Deutschland

Botschafter Melnyk auf dem Bundespresseball am 29. April 2022 Bild: EPA

Wenn Medien einen Krawall-Botschafter ehren, überrascht das nicht. Doch Anstand im Umgang gehört zu unserem Wertefundament, das gemeinsam gesichert werden muss.

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          Was wäre, wenn Wolodymyr Selenskyj nicht in Kiew, sondern in Berlin säße und Verantwortung für das deutsche Volk trüge? Er würde sicher viel besser öffentlich „performen“ als Olaf Scholz. Aber was würde er sagen, wenn das Staatsoberhaupt seines Landes vom Präsidenten eines hilfsbedürftigen Staates von einem Solidaritätsbesuch gleichsam ausgeladen würde? Und wenn der Botschafter dieses Staates nicht nur ihn regelmäßig beschimpfte?

          Dafür würde nicht nur ein Selenskyj deutliche Worte finden. So nun auch, reichlich spät, Olaf Scholz. Bundespräsident Steinmeier vertritt Deutschland nach außen. Er ist zwar auch Repräsentant einer falschen Russlandpolitik, deren Schaden heute zu besichtigen ist. Aber abgesehen davon, dass Steinmeier Fehler eingestanden hat: Er lässt im Angesicht des russischen Angriffskrieges keinen Zweifel daran, dass Deutschland an der Seite der Ukraine steht.

          Bestimmte Formen werden auch im Krieg gepflegt

          Über Zaudern und Pannen kann man streiten. Aber es gibt keinen Grund, die zentrale Macht Europas, die mit Waffen, mit Milliarden Euro und Tausenden Helfern die Ukraine und ihre (geflohenen) Bürger unterstützt, offen vor den Kopf zu stoßen.

          Gegen Überzeichnungen des zu den europäischen Parlamenten so eindrucksvoll sprechenden Selenskyj ist nichts zu sagen. Aber auch das folgt einer Form. Und bestimmte Formen pflegen Staaten sogar im Konflikt weiter.

          Diese Form bricht der ukrainische Botschafter in Deutschland. Mit persönlichen Herabwürdigungen von Staatsmännern seines Gastlandes, denen man doch ihren ernsthaften Einsatz für die Ukraine nicht absprechen kann, macht der Botschafter es seiner bedrohten Heimat nicht leichter. Er sollte wissen, dass es auch ureigene deutsche Interessen gibt, auf die Scholz und Steinmeier zuerst verpflichtet sind.

          Dass manche Medien einen Krawallbotschafter verehren, überrascht nicht. Aber Respekt vor der Ansicht des anderen und Anstand im Umgang gehören zu unserem Wertefundament, das gemeinsam gesichert werden muss.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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