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Merkel nach ihrem Urlaub : „Sie hat sich bemüht“

Gut gelaunt und erholt aus dem Urlaub: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem ersten Auftritt nach der Sommerpause, hier in Stralsund Bild: EPA

Angela Merkel ist zurück auf der politischen Bühne, in ihrem Wahlkreis an der Ostsee stellt sie sich Bürgerfragen – auch über die Flüchtlingspolitik und Greta Thunberg. In Berlin stehen unruhige Zeiten bevor. Doch merkt man davon etwas in Stralsund?

          Schon bei der zweiten Frage aus dem Publikum ist das Thema wieder da. Ein Mann steht auf und wirft der Bundeskanzlerin erst erregt vor, das Land in eine Diktatur geführt zu haben, die Grundrechte seien eingeschränkt und Meinungsfreiheit gebe es auch nicht, um sie dann zu fragen, ob sie sich dafür verantwortlich fühle, das Land mit ihrer Migrationspolitik gespalten zu haben. Und bevor Angela Merkel dazu ansetzt, sich zu erklären und anzumerken, dass sie mit der Kontroverse um ihre Migrationspolitik leben müsse und trotzdem immer sagen würde, „dass es richtig war, dass wir in einer humanitären Ausnahme- und Notsituation geholfen haben“. Bevor sie also sagt, was sie so oft schon gesagt hat, kontert sie den erregten Fragesteller schon mit ihren ersten Worten trocken aus. Die Tatsache, dass er hier in der ersten Reihe sitzen und seine Frage stellen könne, sei ja schon „Ausdruck von...“ Dann gehen ihre Worte im aufbrandenden Applaus der anderen gut 200 Gäste unter. Das ist ja auch eine Antwort.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die politische Sommerpause in Berlin ist vorbei, und nun ist auch die Bundeskanzlerin wieder auf die politische Bühne getreten. Am Dienstag hat sie ihren Wahlkreis an der Ostsee besucht und sich am Nachmittag in Stralsund den Fragen der Bürger im „Ozeaneum“, dem spektakulären Meeresmuseum in der Hansestadt, gestellt. Eingeladen hatten die Ostsee-Zeitung (OZ) und das Redaktionsnetzwerk Deutschland, ein Regionalzeitungsverbund, zu dem die OZ gehört. Es ist das erste öffentliche Interview seit der Sommerpause, und es ist der Auftakt in eine unsicher anmutende Zeit. Mit den Wahlen im Osten des Landes, mit der SPD auf der Suche nach sich selbst und neuen Parteivorsitzenden und mit einer CDU, deren Vorsitzende sich als neue Verteidigungsministerin bewähren muss. Vieles scheint denkbar in den nächsten Wochen, wenig sicher. Nur Angela Merkel scheint das alles nicht aus der Ruhe zu bringen. Einmal sagt sie mit Blick auf die nächsten Monate: „Wir können nicht jeden Morgen aufstehen und uns fragen, ob wir am Abend noch in der Regierung sein wollen.“ Applaus.

          Seit 1990 hat sie den Wahlkreis souverän gewonnen

          Bevor die Bundeskanzlerin den weißen Saal in Stralsund betritt, werden Bilder von ihr auf eine Leinwand geworfen. Angela Merkel und ihr Wahlkreis im Wandel der Zeit. Merkel bei der Eröffnung von Straßen, von Brücken, im Wahlkampf, bei der Bürgersprechstunde und natürlich beim Grillfest mit dem damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Als junge Ministerin zum Beginn, seit 2005 als Kanzlerin. „Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald 1“, so heißt ihr Wahlkreis, seit 1990 ist sie hier angetreten, und seit 1990 hat sie stets souverän gewonnen. Zuletzt im September 2017 mit 44 Prozent der Erststimmen, elf Prozentpunkte mehr als ihre Partei an Zweitstimmen erhalten hatte.

          Für die Region war die berühmte Wahlkreisabgeordnete ein Ereignis. Viele Staatsgäste, viel Aufmerksamkeit, viele Einweihungen. Auch das hat spätestens 2021 ein Ende. Auf der Bühne sagt einer der Moderatoren des Nachmittags zu den wartenden Gästen, Merkel sei bereits im „Ozeaneum“ unterwegs. Dem Bau, bei dem sie maßgeblich dazu beigetragen habe, dass er überhaupt gebaut und erweitert werden konnte.

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