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Tote deutsche Kämpferin : Aus Duisburg in den Krieg gegen IS

Die im Kampf gegen IS getötete Deutsche Ivana Hoffman Bild: AP

Eine junge Deutsche ist im Kampf gegen die islamistische Terrormiliz IS bei Gefechten um die syrische Stadt Tall Tamr getötet worden. Wer ist Ivana Hoffman, die sich einer linksstehenden kurdischen Guerrillatruppe anschloss?

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          Die Befreiung von Kobane hat Ivana Hoffmann vor wenigen Wochen noch mitgefeiert, die Gefechte um die Stadt Tall Tamr hat sie nun nicht mehr überlebt. Die Duisburgerin mit afrikanischen Wurzeln war erst 19 Jahre alt, als sie am Samstag im Krieg gegen den IS getötet wurde.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Sie ist das erste bekanntgewordene deutsche Opfer im Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS) und vermutlich die erste ausländische Frau, die auf der Seite der syrischen Kurden gegen den IS gefallen ist. Vor ihr waren der Australier Kent Johnson und der Brite Konstandinos Scurfield getötet worden.

          Etwa Hundert freiwillige Kämpfer aus westlichen Ländern haben sich den syrischen Kurden in Rojava, dem syrischen Teil Kurdistans, angeschlossen.

          Den Tod von Ivana Hoffmann hat die in der Türkei verbotene MLKP, die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei der Türkei, bekanntgegeben. Die MLKP war 1994 durch den Zusammenschluss von drei kommunistischen Splitterparteien entstanden.

          Seit dem Beginn des Kriegs gegen den IS schickte die MLKP Freiwillige nach Rojava, um die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) und deren Einheiten für Frauen (YPJ) zu stärken. Die MLKP feierte die getötete Ivana Hoffmann als „internationalistische Kommunistin“, die sich statt für ein geordnetes Leben für die Revolution entschieden habe.

          Wann Ivana Hoffmann von Duisburg, wo sie aufgewachsen war, in die Türkei gereist war, blieb zunächst unklar. Gewiss ist nur, dass die am 1. September 1995 geborene Tochter eines Kongolesen und einer Deutschen in jungen Jahren Kommunistin wurde und aktiv in einer kommunistischen Jugendgruppe namens „Young Struggle“ mitgearbeitet hat. In einem undatierten Abschiedsbrief, der auf kurdischen Websites kursiert, die über ihren Tod berichten, schrieb sie, sie könne nicht länger tatenlos zusehen, wie andere für die Freiheit kämpften. Sie wolle ebenfalls ein Teil der Revolution in Rojava werden.

          „Ich werde eine Guerrilla voller Nächstenliebe und Hoffnung sein“, schrieb sie. „Ich werde erfahren, wie es sich anfühlt, eine Waffe in der Hand zu halten und für die Revolution zu kämpfen. Ich weiß, was auf mich zukommen wird.“ Und: „Nichts hält mich mehr hier.“

          In der Türkei wurde sie Mitglied der MLKP, sie lernte Türkisch und Kurdisch. Mit dem Kampfnamen Avasin Tekosin Günes schloss sie sich der YPJ für Frauen an, auch um die „Frauenrevolution in Rojava“ zu verteidigen, so ihre Gruppe von „Young Struggle“ in Duisburg. Frauen stellen etwa ein Drittel der syrisch-kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“. Bekannt ist, dass eine kanadische Staatsbürgerin mit Namen Gill Rosenberg ebenfalls mit den Kurden kämpft.

          In Kobane hatte Ivana Hoffmann an der Front gegen die IS-Krieger gekämpft, die die Stadt seit dem vergangenen September belagert hatten, aber nicht einnehmen konnten. Ende Januar wurde der IS entscheidend zurückgeschlagen.

          Danach wurde Ivana Hoffmann in den weiter im Osten liegenden kurdischen Kanton Cizire geschickt. Dort begannen IS-Krieger am 23. Februar eine Offensive gegen christliche Dörfer, die entlang des Khabur-Flusses nordwestlich der Provinzhauptstadt Hassake liegen. Der IS versucht, die strategisch wichtige Straße von Hassake nach Sari Kani (arabisch Ras al Ain) an der Grenze zur Türkei unter seine Kontrolle bringen.

          Einer der am heftigsten umkämpften Orte war in den vergangenen Tagen Tall Tamr, der 200 Kilometer östlich von Kobane liegt. Der IS versuchte in jener Nacht auf den Samstag, die Stadt wiedereinzunehmen. Zur kurdischen Verteidigungslinie gehörte eine Einheit mit internationalen Kämpfern. Dort wurde Ivana Hoffmann am vergangenen Samstag um drei Uhr morgens bei einem Gefecht getötet. Sie habe sich „bis zur letzten Kugel“ verteidigt, teilte die MLKP unter Berufung auf ihre Einheit mit. Der Angriff sei abgewehrt worden.

          Etwa eine Woche zuvor hatte sich Ivana Hoffmann, offenbar in der Nähe von Sari Kani, in einem kurzen Video geäußert. Sie war durch ein grünes Tuch vermummt, trug einen Kampfanzug und hielt ein Schnellfeuergewehr in der Hand. Seit einer Woche sei sie hier, sagte sie auf deutsch, und sie wolle für die Freiheit kämpfen. Den Einheiten habe sie sich angeschlossen, da sie für die Menschlichkeit kämpften.

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