Briefe :
Leserbriefe vom 6. Oktober 2025

Lesezeit:
Deutschlands „Baumarkt“-Mentalität hat viele Gesichter: Werbung für „toom Baumarkt GmbH“
Deutschlands „Baumarkt“-Mentalität hat viele Gesichter: Werbung für „toom Baumarkt GmbH“toom Baumarkt GmbH

Deutscher Schlüsselsatz +++ Potentiale für Energiewende +++ Münchner Abkommen +++ Sanatorium zur Gänsehaut

Es hat geschafft zu werden

„Wäre Merkels ‚Wir schaffen das‘ am Ende vielleicht ein ostdeutscher Satz?“ So fragt Simon Strauss in seinem vielschichtigen, anregenden „Respekt, wer’s selber macht“ (F.A.Z. vom 30. August). Von einem „von ostdeutscher Nachbarschaftshilfe und einem protestantischen Verantwortungswillen geprägten Ethos“ lesen wir und fragen mit, ob das zum Kern der Angelegenheit führt. In seinem schmalen Band „Preußen. Eine Bilanz“ (1992) nimmt Christian Graf von Krockow die Vermutung auf, das wiedervereinigte Deutschland werde „östlicher, protestantischer und preußischer sein“. Und „. . . was ist mit preußisch gemeint?“ Seit König Friedrich Wilhelm I. gelten als preußische Tugenden: Fleiß, Arbeitsbereitschaft, Pflichterfüllung, Disziplin. Krockow geht weiter, und es wird spannend auch für Kanzlerin Merkel und ihr „Motiv“: Die genannten klassischen Bürgertugenden konnten – der Dreißigjährige Krieg hatte das Bürgertum „ruiniert“ – in Brandenburg nur „von der Staatsspitze her in Gang gebracht und durchgesetzt werden“. Die „Revolution der Moderne“ kam von oben! Diese vordemokratische Manier prägt womöglich bis heute vornehmlich den Osten des Landes und auch den Habitus Angela Merkels. Ihr außenpolitisch zentraler, demokratiefremder Bezug auf eine „Staatsraison“ mag hier einen Ankerpunkt haben. Als Praktikerin eines zeitgenössischen Dezisionismus lässt sie Inhalt und Ziel ihrer Entscheidung weitgehend ungesagt, nimmt aber ihre (!) staatliche Verwaltung deutlich in die Pflicht, auch Widerstände auszuräumen, vor aller Ohren! Angewiesen freilich ist sie (damals) vor allem auf die Kommunen. Und hier blieb sie hinter dem zweiten großen preußischen König womöglich zurück. Denn Friedrich II., als er siegreich aus dem Felde heimkehrte, empfing die Landräte der Mark Brandenburg, ließ sich jedoch nicht feiern, sondern hieß sie aufschreiben („Hat Er Crayon?“), wie viel Roggen, Sommersaat, Pferde, Ochsen und Kühe ihre Kreise höchst nötig brauchen. So berichtet Graf von Krockow. Bis heute ist die Frage, ob Defizite der politischen Führung zu anhaltender Ratlosigkeit und Enttäuschung in den Gemeinden, und damit bei den Bürgern, geführt haben. „Wir schaffen das im Sinne von: Es hat geschafft zu werden . . .“ So fasst Simon Strauss die von Merkel angelegte zwiespältige Stimmungslage schön zusammen. Wolf-Rüdiger Pürschel, Hannover

FAZ

Ohne Abo weiterlesen

Dies ist kein Abo. Ihre Registrierung ist komplett kostenlos, ohne versteckte Kosten.
Oder 3 Monate für 1 € pro Monat Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen erhalten und immer aktuell informiert bleiben.
Empfehlungen
Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Leiter Global Supply Chain Management (m/w/d)
HOERBIGER Antriebstechnik GmbH
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Einrichtungsleitung (m/w/d) SeniorenWohnen in Bad Abbach
Sozialservice-Gesellschaft des BRK GmbH, SeniorenWohnen Bad Abbach
Zum Stellenmarkt