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: Leserbriefe vom 27. Juni 2020

  • Aktualisiert am

Durchgegangen: Aber vor wem scheut der Gaul? Esken? Bild: Wilhelm Busch

Fraktur +++ Nord Stream 2 +++ Greser und Lenz +++ Online-Lehre +++ Bertelsmann-Studie zu Müttern und Einkommen +++ Warenhausschließungen bei Karstadt Kaufhof

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          Die Regeln der Haplologie

          Da die F.A.Z. sich oft schon als vorsichtige Hüterin von Sprachregeln des Deutschen erwiesen hat, dürfte in diesem Zusammenhang auch eine mögliche Bagatelle nicht uninteressant sein. In der Ausgabe vom 13. Juni findet sich in der „Fraktur“ mit dem Titel „Latent“ der Satz „Weil für eine solche Äußerung derzeit sehr viele Äußererinnen und Äußerer in Frage kämen und wir Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, die Sache nicht unnötig schwermachen wollen, . . .“. Nun sind Sprachschöpfungen erlaubt, sollten sich aber an gewisse allgemeine Ausspracheregeln halten, hier an die der „Haplologie“ (haplologischer Silbenschwund zur Vermeidung von Stottern, von agr. haplóos – einfach), der eine „einmalige Aussprache (Verschmelzung) einer Lautgruppe bei zwei gleichen oder ähnlichen Silben“ vorsieht, zum Beispiel Idolatrie (statt idolo-latria), Stipendium (statt stipi-pendium), Analyst (statt Analys-ist). Um zu unserem Beispiel zu kommen: Zauberin (statt Zauberer-in), Förderin (statt Förderer-in), Zauderin (statt Zauderer-in, das heißt hier also doch eher: Äußerin statt Äußerer-in). Überraschend bleibt, dass gerade die Bezeichnung Haplologie sich nicht in „Haplogie“ verwandelte, sich also in die Beispiele für „Wegweiser“ einreiht, die den Weg selbst nicht gehen, den sie weisen.
          Mit dem Begriff sei nicht die „Haplographie“ (Einfachschreibung) verwechselt, also „Schiffahrt“, das heute (!) wieder zu „Schifffahrt“ geworden ist. Nach wie vor endet aber ein Satz „Die Firma heißt Müller und Co..“ nicht mit zwei Punkten, sondern nur mit einem. (J. B. Hofmann – H. Rubenbauer: Wörterbuch der grammatischen und metrischen Terminologie, Heidelberg 1950, S. 35 und 26, sub verbo). Karlheinz Mai, Eberbach am Neckar

           

          Diplomatischer über Trump reden

          Zu den Beiträgen „Empörung über Sanktionsdrohung Amerikas wegen Nord Stream 2“ und „Unannehmbare Methoden“ von Reinhard Veser (F.A.Z. vom 13. Juni): Man hätte dem CDU-Obmann im Auswärtigen Ausschuss diplomatisches Fingerspitzengefühl gewünscht bei seiner Äußerung, dass dem Präsidenten Donald Trump „im Wahlkampf das Wasser bis zum Hals steht“. Das mag seiner persönlichen Genugtuung dienen, aber nicht dem vorrangigen von Johann Wadephul artikulierten Ziel, eine weitere Belastung unseres Verhältnisses zu den Vereinigten Staaten unbedingt zu vermeiden.
          Das Gleiche gilt leider auch für Reinhard Veser, wenn er Trump als unzurechnungsfähigen Präsidenten bezeichnet („ . . . wenn Amerika nach den Wahlen im November wieder einen zurechnungsfähigen Präsidenten bekommen sollte“). Das ist unnötiges Dampfablassen, das vielleicht am Stammtisch angebracht ist, nicht aber auf der internationalen Bühne gegenüber einem Präsidenten, der das mit Sicherheit als eine unzulässige Einmischung in seinen Präsidentschaftswahlkampf wertet. In der Sache hat Veser mit seiner Leitglosse recht, wenn es schon in der Überschrift heißt: „Unannehmbare Methoden“. Aber das Problem der ausgerechnet vom Verteidigungspolitiker Fritz Felgentreu als „angeblich“ bezeichneten Abhängigkeit vom russischen Gas und der daraus folgenden Erpressbarkeit ist trotzdem noch nicht ausgeräumt. Zu Recht weist Veser auf die massiven Bedenken der EU-Kommission hin. Nord Stream 2 darf nicht ein reines Schönwetterprojekt sein. Dr. Harald Kallmeyer, Berlin

          Reschbäggd!

          Schwaben können bekanntlich alles, außer Hochdeutsch. Ihre Karikaturisten können wahrscheinlich auch alles, außer Schwäbisch. Sonst wären in dem Witz „Wenn Schwaben plündern“ (F.A.Z. vom 23. Juni) wohl die Verbformen nicht so verunglückt; richtig heißt es: spare kennet . . . Damit das Ganze sprachlich noch schöner ins Bild passt, empfehle ich statt des neutralen „Hut ab“ ein markiges „Reschbäggd!“. Wolfgang Eisbach, Brackenheim

           

          Was universitäre Lehre ausmacht

          Zu „Augenkontakt ist unersetzbar. Die Hochschulen feiern die Online-Lehre. Doch ein Studium lebt von der Begegnung“ von Peter Oestmann (F.A.Z. vom 6. Juni): Große Freude hat mir der Beitrag von Peter Oestmann bereitet. Er vermittelt in aller Kürze das, was universitäre Lehre ausmacht. Die Begegnung – ich erlebe sie als Begegnung der Generationen – und die dabei empfundene Glückserfahrung, etwas in den Räumen der Lehre weitergeben zu können. Ich habe mein Lehrangebot für das Sommersemester storniert, weil ich meine Studenten sehen möchte und sie mich sehen sollen, erleben mit meiner ganzen Freude, ebendort sein zu können.
          Und was für eine wahre Erkenntnis, wenn Peter Ostmann schreibt: „Die digitale Lehre ist eine Notlösung, oft auch eine sinnvolle Ergänzung von Präsenzveranstaltungen, aber kein Ersatz für eine lebendige Universität. Summa summarum: Dank dem Verfasser und Dank der F.A.Z. für diesen Beitrag. Sigrid Jacobeit, Humboldt-Universität, Berlin


          Erweiterter Lebenshorizont

          Zum Artikel über die Bertelsmann-Studie: „Mutter werden kostet Frauen ein Vermögen“ von Johannes Pennekamp (F.A.Z. vom 22. Juni): Als vierfache Mutter und Rechtsanwältin bin ich über den Bericht „Mutter werden kostet Frauen ein Vermögen“ sehr verärgert. Anstatt wieder einen Artikel abzudrucken, der die negativen Folgen einer Mutterschaft aufzeigt, sollten die Frauen, die noch für Nachwuchs sorgen und zeitweise auf ihren Beruf verzichten, endlich finanziell ausreichend unterstützt werden.
          Es darf eben gerade nicht sein, dass eine Frau, die mehrere Kinder zur Welt bringt, in der Berufswelt benachteiligt wird. Eine Mutter hat definitiv einen erweiterten Lebenshorizont und weiß, was Konflikt- und Zeitmanagement, nicht nur in Zeiten von Covid-19, bedeuten. Warum werden die Mütter nicht bevorzugt wieder eingestellt? Warum wird die Leistung der Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern, nicht geachtet und dementsprechend honoriert? Anuschka Rosenthal, Bonn

           

          Erziehung ausgelagert

          Zum Beitrag „Mutter werden kostet Frauen ein Vermögen“ von Johannes Pennekamp (F.A.Z. vom 22. Juni): Die Studie zeigt, dass der „gender pay gap“ in erster Näherung ein „motherhood pay gap“ ist und insofern keine Folge des Geschlechts, sondern der Elternschaft, speziell der erziehungsbedingten Erwerbsausfälle bei Müttern.
          Es ist fast rührend zu sehen, wie sich Sozialwissenschaft, Frauen- und Familienpolitik darum mühen, dass dieser gravierende Nachteil der Elternschaft zwischen Vätern und Müttern gleichmäßiger verteilt wird, während die Abstellung des Nachteils fast undenkbar ist: die angemessene materielle Honorierung familiärer Kindererziehung. Der Staat fördert umso stärker, je mehr die Eltern die Erziehung auslagern. Die Eltern registrieren das aufmerksam und handeln danach. Professor Dr. Johannes Schroeter, Großkarolinenfeld

           

          Verlust für unsere Stadtzentren

          Zu „Warenhauskette schrumpft“ zur Schließung der Filialen von Karstadt Kaufhof (F.A.Z. vom 20. Juni); Die Schließung der Karstadt-Filialen in Berlin und in anderen Städten ist nicht nur ein großer Verlust für die Attraktivität unserer Stadtzentren, sondern sie werden auch zur Verödung von Fußgängerzonen und deren Umfeld führen. Viele kleine Einzelhandelsgeschäfte werden darunter leiden, wenn Warenhäuser in zentraler Lage schließen. Schuld an dieser ganzen Misere sind wir aber auch selbst, weil wir als Verbraucher unser Kaufverhalten zu sehr auf den Online-Handel im Internet verlagert haben.
          Vor allen Dingen bei jungen Leuten ist das Online-Shopping angesagter als der Besuch im Warenhaus. Hier ist die Politik gefordert, die endlich den Online-Handel hoch besteuern sollte. Nur mit diesem Steuerungsinstrument kann man die restlich verbliebenen Warenhäuser noch retten! Thomas Henschke, Berlin

           

           

           

           

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