Abschied von Gorbatschow : Eine Demonstration gegen Putin

Diese Menschenmenge konnten die Sicherheitskräfte nicht niederknüppeln: Die letzte Ehre für Gorbatschow bedeutete auch eine Ablehnung Putins.
Die lange Schlange, die sich am Samstag in Moskau bei der Verabschiedung von Michail Gorbatschow gebildet hat, war etwas, das in Russland sonst seit Monaten nicht mehr möglich ist: eine Demonstration gegen das Putin-Regime.
Gorbatschow schlug in den sechs Jahren, in denen er an der Macht war, einen Weg ein, der dem von Putins Herrschaft exakt entgegengesetzt ist: Gorbatschow öffnete sein Land und strebte in der Außenpolitik danach, Konflikte zu überwinden. Und er hat sich am Ende friedlich in den Verlust der Macht gefügt – von Putin ist das nicht zu erwarten.
Das offizielle Russland hat nach dem Tod Gorbatschows nur notdürftig die Form gewahrt. Die „Termingründe“, die Putin an einer Teilnahme an der Trauerfeier gehindert haben, sind so fadenscheinig wie die meisten Behauptungen der russischen Propaganda.
Die Kremlmedien hoben Gorbatschows Versagen hervor und machten nur kurz vor dem Vorwurf halt, er sei ein Verräter gewesen. Diejenigen, die gekommen sind, um von ihm Abschied zu nehmen, stellten sich gegen diese Sichtweise. Bei anderen Gelegenheiten können sich solche Menschen in Russland nicht mehr ungefährdet versammeln. Aber eine Trauerfeier können die Sicherheitskräfte – noch – nicht niederknüppeln. Ein letztes Mal hat Gorbatschow so eine Tür zu etwas Freiheit geöffnet.






