https://www.faz.net/-gpf-9w6v1

Konflikt um Zölibat : Papst beurlaubt Erzbischof Gänswein

Georg Gänswein und Papst Franziskus im Januar im Vatikan Bild: dpa

Erzbischof Georg Gänswein ist auf unbestimmte Zeit nicht mehr Präfekt des Päpstlichen Hauses. Offiziell soll er sich mehr um den emeritierten Papst kümmern. Es geht wohl auch um Zölibats-Äußerungen von Benedikt XVI.

          2 Min.

          Papst Franziskus hat Erzbischof Georg Gänswein auf unbestimmte Zeit von dessen Posten als Präfekt des Päpstlichen Hauses beurlaubt. Das berichten unter Berufung auf Quellen im Vatikan die in Würzburg erscheinende katholische Zeitung „Die Tagespost“ sowie italienische Medien übereinstimmend am Mittwoch. Gänswein ist zugleich Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., der in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Klosters im Vatikan lebt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Als Begründung hieß es, Gänswein solle mehr Zeit für die Betreuung des zunehmend gebrechlichen emeritierten Papstes haben, statt weiterhin zwischen dem früheren Pontifex und dem amtierenden Papst „pendeln“ zu müssen. Unter Berufung auf Quellen in der Umgebung von Franziskus heißt es in italienischen Medien jedoch, Auslöser für die Beurlaubung des 63 Jahre alten Erzbischofs sei der Streit um das vom guineischen Kardinal Robert Sarah unter Mitarbeit von Benedikt XVI. veröffentlichte Buch über die Bedeutung des Zölibats gewesen.

          In dem inzwischen auf Französisch und Englisch erschienenen Buch „Aus den Tiefen unserer Herzen“ nehmen Sarah und Benedikt XVI. eindeutig Position im Streit um die Bedeutung der Ehelosigkeit für Priester. Nach ihrer Überzeugung sind die Ehelosigkeit und der Verzicht auf eine eigene Familie unabdingbare Voraussetzung für das geweihte Amt des Priesters in der Weltkirche. Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung war als Affront gegen Papst Franziskus verstanden worden. Dessen Nachsynodales Schreiben zur Sondersynode im Vatikan zur Lage der Kirche in Amazonien vom Oktober soll am 12. Februar erscheinen. Derzeit schießen im Vatikan die Spekulationen ins Kraut, ob Franziskus die Empfehlung der Amazonas-Synode übernehmen wird, in den entlegenen Gemeinden Amazoniens auch „Viri Probati“ – verheiratete Männer im langjährigen Kirchendienst als Diakone – zu Priestern zu weihen.

          Gänswein hatte nach der Vorabveröffentlichung von Buch-Auszügen in der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ von Mitte Januar den konservativen Kardinal Sarah aufgefordert, den emeritierten Papst nicht als Ko-Autor des Buches auszuweisen. Benedikt XVI. habe lediglich eine allgemeine theologische Reflektion zum Zölibat beigesteuert und sich nicht an der aktuellen Debatte über das Thema beteiligen wollen. Zwischen Gänswein und Sarah hatte es widersprüchliche Darstellungen zur Entstehung des Buchs gegeben.

          In italienischen Medien wird von einer heftigen Begegnung von Gänswein und Papst Franziskus berichtet. Dabei habe Franziskus dem Präfekten des Päpstlichen Hauses zu verstehen gegeben, dass er ihn „nicht mehr sehen“ wolle. Schon seit einiger Zeit fehlt Gänswein bei den öffentlichen Audienzen des Papstes. Stattdessen stand der Regent der Präfektur, Leonardo Sapienza, dem Papst zur Seite. Ob Gänswein seine Tätigkeit in der Präfektur jemals wieder aufnehmen wird, ist ungewiss.

          Gänswein wurde 2003 persönlicher Assistent von Kardinal Joseph Ratzinger im Vatikan. Nach dessen Wahl zum Papst 2005 wurde Gänswein Privatsekretär von Benedikt XVI. 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Titularerzbischof und Präfekten der Präfektur des Päpstlichen Hauses. Die Bischofsweihe erfolgte im Januar 2013 im Petersdom. Nach dem Amtsverzicht Benedikts XVI. am 28. Februar 2013 blieb Gänswein Präfekt des Päpstlichen Haushaltes. In diesem Amt bestätigte Papst Franziskus ihn am 31. August 2013. Gänswein ist weiterhin Privatsekretär Benedikts XVI. und lebt wie der emeritierte Papst im ehemaligen Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten. Gänswein hat ein informelles Gelübde abgelegt, wonach er dem emeritierten Papst bis an dessen Lebensende als Privatsekretär und wohl auch als persönlicher Vertrauter zur Seite stehen werde.

          Weitere Themen

          Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Asylbewerber ohne Hilfe : Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Vor der Corona-Krise landeten zeitweilig nirgendwo in Europa so viel Migranten wie in Spanien. Jetzt kommen nur sehr wenige. Die 120.000 Asylbewerber, die sich bereits im Land befinden, sind nun auf sich allein gestellt.

          Topmeldungen

          Auf sich allein gestellt: Migranten im spanischen Lepe

          Asylbewerber ohne Hilfe : Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Vor der Corona-Krise landeten zeitweilig nirgendwo in Europa so viel Migranten wie in Spanien. Jetzt kommen nur sehr wenige. Die 120.000 Asylbewerber, die sich bereits im Land befinden, sind nun auf sich allein gestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.