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Syrien und der Assad-Clan : Der mordende Jüngling von Latakia

Auf seiner Facebook-Seite präsentiert sich Sulaiman Hilal al Assad mit Gewehr. Bild: Foto Screenshot Facebook

Der Vetter des syrischen Präsidenten, der wegen eines Streits im Straßenverkehr einen Oberst erschossen hat, zeigt keine Reue. Stattdessen beschimpft er seine Kritiker. Die Ausfälle des Jünglings bringen Assad in die Bredouille.

          Reue hat er nicht gezeigt. Als „Hunde“ und „Verräter“, beschimpfte Sulaiman Hilal al Assad im Internet seine aufgebrachten Landsleute, die sich über den Mord an einem Oberst der syrischen Armee empören. Einen Mord, den er mutmaßlich selbst begangen hat, und der in Latakia, einer Bastion des Assad-Regimes, am Wochenende so seltene wie wütende Proteste hervorgerufen hatte. Die Demonstranten würden nur den Terroristen helfen, gegen die seine Familie kämpft, schimpfte Sulaiman.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der Cousin des syrischen Gewaltherrschers Baschar al Assad, so berichtete der Bruder des Mordopfers, der die Tat mit eigenen Augen gesehen haben will, habe den Offizier auf offener Straße mit einem Sturmgewehr niedergestreckt. Doch der Spross des Herrscherclans ließ keinen Zweifel daran, dass er ungeschoren davonkommen werde. „Ihr wollt mich zur Rechenschaft ziehen?“, höhnte er am Sonntag. Er sei unschuldig, die Wahrheit werde ans Licht kommen.

          Am Montag meldete die amtliche Nachrichtenagentur Sana, Sulaiman Hilal al Assad sei festgenommen worden, was auch örtliche Aktivisten gegenüber der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigten. Die regimetreue Zeitung „Al Watan“ zitierte die Witwe des ermordeten Oberst mit den Worten, der Präsident habe ihr versprochen, dass der Täter bestraft werde – egal, wer er auch ist. Der Gouverneur der Provinz Latakia hatte sich am Wochenende beeilt, die aufgebrachten Bürger mit den Worten zu beschwichtigen: „Niemand steht über dem Gesetz.“

          Dass Baschar al Assads jugendlicher Vetter, der erst im Abiturientenalter ist, tatsächlich für Jahre im Kerker landet oder gar hingerichtet wird, glaubt allerdings kaum jemand. Aber der Mord verschärft die Probleme des Regimes in Damaskus. Denn zum einen erregen die Exzesse, Ausfälle und Verbrechen der Herrscherfamilie zunehmend Anstoß auch unter den Alawiten, der Bevölkerungsgruppe des syrischen Diktators.

          Vor allem aber trifft der Mord von Latakia Baschar al Assad an einem empfindlichen Punkt: Sulaimam wird zu den „Schabiha“ gezählt, den „Geistermilizen“ des Regimes. Die marodierenden Milizionäre schüren den Unmut unter den Alawiten, die sich von ihnen bedroht fühlen. Damit schwächen sie das Haus Assad, denn die Herrscherfamilie hat sich die Gefolgschaft der Alawiten stets dadurch gesichert, dass sie diese Glauben machte, ihr einzig wahrer Schutzherr zu sein. Andererseits ist das Damaszener Regime in seinem Überlebenskampf auf die alawitischen Milizen angewiesen.

          Zunehmende Zweifel an Assads Schutz

          Der Angehörige einer alawitischen Familie, die mit den Assads bekannt und mit hohen syrischen Militärs verschwägert ist, hatte schon 2013 in der Orientzeitschrift „Zenith“ die Alawiten aufgefordert, „aus der Hypnose“ zu erwachen und sich vom Clan an der Staatsspitze zu emanzipieren, weil der die Alawiten bewusst in einen Schicksalspakt getrieben habe. Die Familie an der Spitze des zerfallenden Staates beherrsche derart raffinierte Herrschaftstechniken, dass selbst ein Machiavelli davon lernen könnte, schrieb der Mann. „Nur selten gelang es einem Herrscher, seine eigene Religionsgemeinschaft derart zu unterdrücken und zugleich dafür zu sorgen, dass sie ihm auf Knien dankte.“ Die Assads hätten die Gesellschaft verrohen lassen und den Hass auf die Alawiten geschürt, weil er ihnen nutzt. Sie hätten einflussreiche Familien und religiöse Autoritäten geschickt ausgeschaltet.

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