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Bagdad Briefing : Feinde eines Feindes

  • -Aktualisiert am

Kämpfer der Badr-Miliz feiern ihren Erfolg bei Amerli Bild: REUTERS

Die militärischen Erfolge gegen den IS nördlich von Bagdad gehen auf das Konto der Badr-Miliz. Dank amerikanischer Luftschläge konnte sie die Dschihadisten aus einigen Orten vertreiben. Groß geworden war die schiitische Gruppierung im Kampf gegen amerikanische Besatzungstruppen.

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          Mit vier Luftschlägen auf die Umgebung von Amerli bereitete das amerikanische Militär den Kämpfern der Badr-Miliz den Weg: Nach mehr als zwei Monaten Belagerung ist es den Einheiten der einst im Kampf gegen die Besatzungstruppen aus den Vereinigten Staaten groß gewordenen Gruppe gelungen, die schiitisch-turkmenische Kleinstadt dem Würgegriff des „Islamischen Staats“ zu befreien. Die am Wochenende begonnene Offensive gegen die Dschihadisten ging auch am Mittwoch weiter, nachdem am Dienstag die Städte Sulaiman Bek und Yankaja gefallen waren. „Die Strecke von Bagdad nach Kirkuk ist jetzt sicher“, sagte Transportminister Hadi al Ameri, der der Badr-Organisation angehört.

          Langsam, aber offenbar erfolgreich, schlägt die antisunnitische Allianz die Einheiten Abu Bakr al Bagdadis nördlich der Hauptstadt zurück. Drei Monate lang war die wichtige Verbindungsstraße zwischen der nordirakischen Ölmetropole Kirkuk und Bagdad gesperrt. Ihre Öffnung bedeutet Erleichterung für die von Stromengpässen und Treibstoffmangel gebeutelte Bevölkerung. Doch birgt das Bündnis aus schiitischen Milizen und amerikanischer Luftwaffe auch Gefahren für die Zukunft: Die Allianz einstiger Gegner, die lediglich der gemeinsame Feind – die sunnitische Terrorgruppe „Islamischer Staat“ – zusammenschweißt, dürfte nicht lange halten.

          Zudem fehlt weiterhin eine politische Strategie für den Zusammenhalt Iraks: Die Bildung einer Regierung durch den zum Ministerpräsidenten nominierten Haidar al Abadi tritt auf der Stelle. Sowohl Vertreter der sunnitischen wie der kurdischen Minderheit treiben den Preis für ihre Beteiligung an einem Kabinett des schiitischen Politikers in die Höhe.
          In einem Interview mit der Zeitung „Al Sharq al Awsat“ warf der kurdische Peschmerga-Minister, Mustafa Sayid Qadr, der Zentralregierung am Dienstag vor, Waffenlieferungen an die Peschmerga systematisch behindert – sowie den Import militärischen Geräts aus dem Ausland verboten zu haben. „Eine der offenen Fragen zwischen Arbil und Bagdad bleibt, dass die Peschmerga-Einheiten Teil der gesamtirakischen Verteidigungsstrukturen sind und dass sie bewaffnet und ausgebildet werden müssen“, sagte Qadr.

          Qadrs Heer war seit Anfang August der wichtigste militärische Partner des Westens im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Doch auch die Bundesregierung in Berlin stimmte der Forderung der Zentralregierung zu und schickt ihre militärische Verstärkung für die kurdische Armee nun zunächst nach Bagdad. Ob am Ende alles in Arbil ankommt, ist zweifelhaft: Seit Jahresbeginn verweigern die Behörden in der Hauptstadt die Überweisung der verfassungsrechtlich zugesicherten elf Prozent des Gesamtbudgets an die Autonomieregion.

          Wie im Falle der Unterstützung schiitischer Milizen durch Amerika zeigt sich auch hier das Manko einer fehlenden Strategie des Westens: Den irakischen Staat zusammenhalten, wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier es will, und zugleich die Sezessionisten in Arbil aufrüsten, passt einfach nicht zusammen.

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