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Vatikanische Investitionen : Dem Kirchenstaat droht ein Desaster an allen Fronten

Weltliches Gericht im Kirchenstaat: Prozessszene aus dem Verfahren gegen Kardinal Becciu Bild: via REUTERS

Wenn der Vatikan Pech hat, wird ein Immobiliengeschäft in London mit einem dreistelligen Millionenverlust enden. Auch der Strafprozess in dieser Sache läuft nicht gut.

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          In London melden die Zeitungen, dass der Verkauf des ehemaligen Werkstattlagers der Warenhauskette Harrods an der Sloane Avenue 60 bevorstehe. Danach soll das amerikanische Investmentunternehmen Bain Capital bereit sein, für die Liegenschaft umgerechnet etwa 233 Millionen Euro zu bezahlen. Die Investoren, so heißt es weiter, wollten mit einem Bauentwickler das Gebäude um ein oder zwei Stockwerke erhöhen, um Dutzende Apartments und Lofts der Luxusklasse zu vermarkten.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Verkäufer der Immobilie ist der Vatikan. Das vatikanische Staatssekretariat hat für das Gebäude seit 2014 insgesamt rund 350 Millionen Euro ausgegeben. Sollte es tatsächlich zum Abschluss des Geschäfts kommen, müsste die Weltkirche 117 Millionen Euro abschreiben. Das ist keine Kleinigkeit für einen Kleinstaat, der zwar nach eigenen Angaben Ende 2020 über Investitionen und Liegenschaften in Höhe von knapp 3,8 Milliarden Euro verfügte, aus seinen Immobilienanlagen aber nur sehr geringe Gewinne erzielt. Gemäß der im Juli veröffentlichten Bilanz der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) besitzt der Vatikan in Italien 4051 Immobilien, weitere 1123 Objekte sind es im Ausland.

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