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Didier Raoult : Frankreichs Wunderheiler

Scharlatan oder Wunderheiler? Der Mediziner Didier Raoult spaltet Frankreich. Bild: AFP

Der exzentrische Arzt Didier Raoult ist in der Corona-Krise weltweit berühmt geworden. Er wird geliebt, weil er die Pariser Elite vorführt. Viele halten ihn aber auch für einen Scharlatan, wenn nicht gar für einen gefährlichen Populisten.

          6 Min.

          Wie ein Rockstar bahnt sich Didier Raoult im Blitzlichtgewitter der Fotografen den Weg ins Untergeschoss der Nationalversammlung. Die Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses blicken ihn gebannt an, als der Doktor mit der silbernen Mähne vor ihnen Platz nimmt. „Ihr Wirken ruft leidenschaftliche Reaktionen hervor, wie sie während einer Gesundheitskrise selten sind“, begrüßt ihn der Berichterstatter. „Entweder man hasst oder man vergöttert Sie.“ Raoult nimmt die Worte mit der Selbstzufriedenheit eines modernen Miraculix auf, der lieber seinen Zaubertrank braut, wenn die Gallier sich noch prügeln.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Wobei es ihm an Streitlust nicht mangelt, wie er bei seiner Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss zeigt, der klären soll, ob die Verantwortlichen in Paris angesichts der Pandemie fahrlässig gehandelt haben. Haben sie, wenn man Raoult zuhört. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen den Wissenschaftsrat, der dem Präsidenten den harten Lockdown empfohlen hatte. Mittelalterliche Methoden der Quarantäne seien das gewesen, empört er sich. In Paris sei die Todesrate fünf Mal höher als bei ihm in Marseille, und Raoult hegt auch einen Verdacht, warum das so war. In der Hauptstadt seien sie „blind“ in die Epidemie geschlittert, während er von Anfang an so viel wie möglich getestet habe – gegen den Widerstand in Paris. Zu seinem Institut IHU Méditerranée pilgerten Menschen aus dem gesamten Mittelmeerraum, um sich testen zu lassen. Anderswo hätten die nationalen Referenzzentren großangelegte Covid-19-Testkampagnen blockiert, um ihre Hoheitsrechte zu verteidigen, „wie ein Dachs seinen Bau“.

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