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Aufruf von Generälen : Ein zermürbtes Land

  • -Aktualisiert am

Wohnblocks im Pariser Vorort Chanteloup-les-Vignes im Januar 2020. Die Porträts zeigen Arthur Rimbaud (links) und Charles Baudelaire. Bild: Frank Röth

Der Aufruf der französischen Offiziere, den drohenden „Zerfall“ des Landes abzuwenden, offenbart die Auflösungserscheinungen der französischen Gesellschaft.

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          Das politische Säbelrasseln von zwei Dutzend Generälen im Ruhestand hat Frankreich in Aufruhr versetzt. Der Aufruf der Offiziere, den drohenden „Zerfall“ des Landes abzuwenden, kann schwerlich mit einem Putschversuch gleichgesetzt werden. Aber er bricht mit einer langen Tradition der politischen Zurückhaltung. Erst mit Ende des Zweiten Weltkrieges erhielten Soldaten in Frankreich das Wahlrecht. Die Armee trägt den Beinamen „Die große Schweigende“. Zu Beginn jeder Parlamentsdebatte zieht der Präsident der Nationalversammlung unter dem Trommelwirbel von Soldaten der Republikanischen Garde ein, die sich symbolisch der politischen Macht unterwerfen.

          Diesem Unterordnungsritual entziehen sich die Generäle, die hinter dem Aufruf stecken. Die meisten von ihnen sind am rechten Rand des Parteienspektrums beheimatet. Ihre Provokation gilt vor allem Präsident Emmanuel Macron, dem „Chef der Armee“, dem sie „Laschheit“ im Kampf gegen Islamismus und rechtsfreie Zonen in der Banlieue vorhalten. Im Hintergrund zieht Marine Le Pen die Strippen.

          Der Präsidentschaftskandidatin sind im Duell mit Macron alle Mittel recht. Frankreich droht kein Aufstand des Militärs. Der Aufruf der Offiziere offenbart die Auflösungserscheinungen der französischen Gesellschaft, die nach Jahren des islamistischen Terrors und sozialer Spannungen zermürbt ist. Die Armee ist nur ein Spiegel davon.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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