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Siemens-Chef Peter Löscher „Mir behagt die Rolle als Anführer“

Im neuen Jahr sieht Peter Löscher zwar Gegenwind für die Industrie, bleibt aber dennoch optimistisch. Außerdem spricht er über den den Frust mit dem ICE und die Abneigung gegen das Partyleben.

© Müller, Andreas Amtsmüde? Von wegen, sagt Peter Löscher: „Ich bin so fit wie lange nicht“

Herr Löscher, wie stürmisch wird das Jahr 2013?

2013 werden wir sicher Gegenwind haben. Ich erwarte abflauendes Wachstum und in der Eurozone eine leichte Rezession, aber kein weltweites Krisenszenario.

Kein Absturz wie 2008 nach der Pleite der Lehman-Bank?

Nein, eher die eine oder andere positive Überraschung: Vorausgesetzt, die Vereinigten Staaten kommen ohne Verwerfungen über die Fiskalklippe, gibt es dort immer Potential. Und China ist beim Wachstum eine Acht vor dem Komma zuzutrauen.

Siemens hat seine Flagge in praktisch jedem Land der Erde, wie wichtig ist da die Wahl in Deutschland 2013?

Ich kann nur sagen: Wie die Bundeskanzlerin in der Krise führt, findet meinen höchsten Respekt, ist gut für das Land und weit über Deutschland hinaus anerkannt.

Sie würden Frau Merkel am liebsten behalten?

Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen.

Mit Peer Steinbrück liefe es weniger harmonisch?

Sie bringen mich nicht dazu, Wahlempfehlungen über die Zeitung abzugeben. Auch mit Herrn Steinbrück haben wir in Zeiten der großen Koalition gut zusammengearbeitet. Was die damalige Regierung in der Krise 2008/2009 getan hat, war gut und richtig, vor allem die schnelle Umsetzung der Kurzarbeitsregelung nach dem runden Tisch im Dezember 2008: Dafür bekommt Deutschland Anerkennung in der ganzen Welt.

Amerikas Industrie verbessert ihre Position dank billigem Gas dramatisch. Schreckt Sie das?

Nein, warum sollte es? Darin liegt für Siemens eine große Chance. Die Energiewende Amerikas basiert auf Gas, und dafür ist Siemens exzellent aufgestellt. Denn wir bauen die effizientesten Gasturbinen der Welt, und das nicht nur in Berlin, sondern auch in unserem modernsten Werk in North Carolina. Außerdem begünstigen niedrige Strompreise in Amerika auch die Reindustrialisierung des Landes, und das bedeutet auf mittlere Frist Rückenwind für unser dortiges Industriegeschäft.

Für andere Branchen in Deutschland, allen voran die Chemieindustrie, bringt es erst mal billigere Konkurrenz.

In Amerika belaufen sich die Energiekosten gegenwärtig auf etwa 25 Prozent im Vergleich zu Europa - das ist also ein völlig anderes Niveau. Ich hätte nie gedacht, dass dort ältere Anlagen wieder hochgefahren werden und sich dort auch Basis-Chemie wieder rechnet. Darauf müssen wir uns in Deutschland und in ganz Europa einstellen.

Wie? Indem wir die Energiewende hierzulande abblasen?

Nein, aber wir müssen die Stromversorgung kosteneffizient umbauen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und der industriellen Arbeitsplätze in Deutschland im Blick haben.

Was heißt das konkret?

Dass wir von der Kernkraft nicht direkt und komplett zu den erneuerbaren Energien umsteigen können: Wir brauchen Zwischentechnologien, die effizient und verfügbar sind - wie moderne Gaskraftwerke. Und wir brauchen Rahmenbedingungen, die Investitionen in diese Technologien wirtschaftlich hinreichend attraktiv machen.

Am besten von Siemens, schon klar. Von Sonne und Wind ist nicht mehr viel zu hören aus Ihrem angeblich so grünen Konzern.

Am überzeugendsten sollten Fakten sein: Siemens ist heute so grün wie nie zuvor. Als ich vor fünf Jahren hier angefangen habe, trug das Umweltportfolio 17 Milliarden Euro zum Umsatz bei - heute sind es 33 Milliarden Euro. Damals waren es rund 25 Prozent vom Siemens-Umsatz heute 42 Prozent. Der Großteil unseres grünen Angebots umfasst Produkte zur Steigerung der Energieeffizienz - da geht es um sehr viel mehr als um erneuerbare Energien. Und zum Windgeschäft: Das ist seit unserem Einstieg 2004 mit durchschnittlichen Jahresraten von 50 Prozent gewachsen.

Aus dem Solargeschäft haben Sie sich gerade verabschiedet - mit großem Verlust.

Solar war ein klitzekleiner Teil unseres grünen Portfolios, deutlich unter 1 Prozent!

War die Solar-Episode Ihr größter Fehler als Siemens-Chef?

Was heißt Fehler? Es ist immer eine unternehmerische Entscheidung, ob Sie in eine neue Technologie gehen oder nicht. In dem Fall haben sich die Rahmenbedingungen komplett geändert. Darauf mussten wir reagieren. In der Windtechnologie dagegen haben wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt: Da haben wir 2004 eine dänische Firma mit 300 Millionen Euro Umsatz gekauft, jetzt machen wir damit fünf Milliarden Euro - eine tolle Erfolgsgeschichte.

Wäre da nur nicht die Blamage mit den Windrädern in der Nordsee, die Siemens nicht pünktlich ans Netz bringt.

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