Bundespräsident zu Armeniern : Gaucks Rede im Wortlaut

Der Bundespräsident bezieht klar Stellung: Das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich sieht er als „Völkermord“. Auch weist er auf die deutsche Beteiligung daran hin. FAZ.NET dokumentiert die Rede Gaucks
Wir gedenken in dieser Stunde der Angehörigen des armenischen Volkes, die vor einem Jahrhundert zu Hunderttausenden Opfer von geplanten und systematischen Mordaktionen geworden sind. Unterschiedslos wurden Frauen und Männer, Kinder und Greise verschleppt, auf Todesmärsche geschickt, ohne jeden Schutz und ohne jede Nahrung in Steppe und in Wüste ausgesetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt, zu Tode gehetzt, erschlagen und erschossen. Diese geplante und kalkulierte verbrecherische Tat traf die Armenier aus einem einzigen Grund: weil sie Armenier waren. Ähnlich traf es ihre Leidensgenossen, die Pontos-Griechen, die Assyrer oder Aramäer.
Mit unserem heutigen Wissen und vor dem Hintergrund politischer und humanitärer Schrecknisse der vergangenen Jahrzehnte steht uns heute klar vor Augen: Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist.
Im Schatten von Kriegen wurden diese Verbrechen begangen. Der Krieg diente auch als Legitimation für die Untaten. So geschah es im Ersten Weltkrieg den Armeniern – und so geschah es im Laufe des Jahrhunderts auch andernorts und so geschieht es bisweilen bis heute vielen anderen religiösen und nationalen Minderheiten. Als Spione etwa wurden sie bezeichnet, als Handlanger ausländischer Mächte, als Störenfriede der nationalen Einheit, als Klassen- oder Rassenfeinde, als Krankheitsherd im Volkskörper.





