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Entwicklungsminister Müller : „Ich mache Ihnen nicht Angst, ich mache Ihnen Hoffnung“

  • -Aktualisiert am

„Das sind die Wachstumsmärkte von morgen“, sagt der Bundesentwicklungsminister im Hinblick auf Afrika. Bild: dpa

In Tunesien hat Gerd Müller gerade ein Beratungszentrum für abgelehnte Asylbewerber eröffnet. Der CSU-Politiker wirbt für Investitionen in die Zukunft Afrikas – auch in seiner schwäbischen Heimat.

          „Sie sind hier auf dem Land.“ Sagt Entwicklungsminister Müller, blickt aus dem Autofenster und sagt es noch einmal. Dann erklärt er, was das bedeutet: Vollbeschäftigung. Aber Ärztemangel. Keine Schulden. Kaum Flüchtlinge. Das Auto fährt durch Wemding, Bayerisch-Schwaben, an der Grenze zu Mittelfranken. Müller, in seiner Rolle als Fremdenführer: „Da sehen Sie eine Afrikanerfrau, die ihr Kind aus dem Kindergarten abholt.“ Flüchtlinge sind hier nicht das Problem. Und sie werden auch nicht wie eines behandelt.

          Gerd Müller hat kurze dunkelgraue Haare und ein markantes Gesicht, er ist schlank und sehr groß, passt gerade so auf den Rücksitz seines Dienstwagens. „Das sind diese modernen Autos, die nur noch Platz für vier Leute haben“, sagt er. Auf der Mitte der Rückbank befindet sich kein Sitz, sondern eine Konsole. Was nicht heißt, dass darauf nicht schon Leute gesessen hätten. Müller lächelt viel und guckt aufmerksam. Nur selten, wenn gerade mal keiner etwas von ihm will, versinkt er für einige Sekunden in sich, klappt die Augendeckel ein Stück runter, aber nicht ganz, und sieht erschöpft aus.

          Plakate am Straßenrand kündigen den Bundesentwicklungsminister an, eine Veranstaltung zum Thema Flucht. „Mein weltberühmter Namensvetter hat hier in der Gegend trainiert, beim TSV Nördlingen“, berichtet Müller. Auch für ihn ist es ein Heimspiel, er war hier in Schwaben EU-Abgeordneter und Bezirksvorsitzender der Jungen Union, ein ganz rebellischer. „Ich hab das gesagt, was ich gedacht hab. Auch wenn es dem Franz Josef Strauß nicht gefallen hat.“ Die Veranstaltung wird voll. Der dritte Bürgermeister und CSU-Vorsitzende von Wemding hat alle Leute persönlich angeschrieben.

          Zuerst aber hat Minister Müller einen Termin im Rathaus, da stellt er den Vorsitzenden als „Kirchenpfleger“ vor und setzt nach einem fragenden Blick erklärend hinzu: „Der zählt am Sonntag in der Kirche das Opfer“ – also die Kollekte. Klopft besagtem Mann auf die Schulter und sagt: „Jetzt machst’ mal einen guten Eindruck.“

          „Der Minister hat die Ruhe weg“

          Die Gegend ist stark kirchlich geprägt, das spürt man auch in der Politik. Hier versteht man, was mit Christlich-Sozialer Union gemeint ist. Der Helferkreis „Wir mit euch“ steht am Eingang des Rathaussaales und wartet auf den Minister. Eine ältere Dame berichtet Müller von einer Frau, die vor vier Jahren aus Afrika kam, mit ihrem kleinen Kind. Sie spricht inzwischen Deutsch und könnte eine Ausbildung als Pflegerin bekommen. Aber jetzt wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Nach vier Jahren Wartezeit. Müller: „Ich habe immer gesagt, wir können die Verfahren nicht ewig hinziehen und die Leute dann nach Jahren zurückführen.“ Die Helferin: „Wir sind ja schon auf einer Linie!“

          Gerd Müller beim Besuch einer Kakao-Plantage in der Elfenbeinküste
          Gerd Müller beim Besuch einer Kakao-Plantage in der Elfenbeinküste : Bild: dpa

          Der Bundestagsabgeordnete und der Landrat drängen mehrfach zur Eile, seufzen: „Der Minister hat die Ruhe weg.“ Und: „Wenn ich Minister wär!“ Müller führt aber noch alle Gespräche, die ihm wichtig sind, auch wenn nur ein paar Sätze gewechselt werden. Jeder bekommt seine Aufmerksamkeit. Dann brechen alle auf zur „Wallfahrt“, dem Ort der Veranstaltung zur Flucht, wo schon ein Saal voller Wemdinger wartet.

          Bei seinem letzten Besuch vor ein paar Jahren war Müller noch Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium und sprach über Milchwirtschaft. Aber der Saal war damals ebenso gefüllt. Die CSU hat hier ungebrochen großen Zulauf. Es geht darum, ob der Bundestagsabgeordnete wieder „den Sechziger“ schafft, also das Direktmandat mit über sechzig Prozent holt. In anderen Wahlkreisen liegt die Messlatte sogar beim Achtziger. Das hier sei kein Seehofer-Heimatland, sagt ein Parteimitglied. „Hier wird mit harten Worten gefremdelt.“ Allerdings sei die Stimmung nicht mehr so angespannt wie vor einem Jahr, als Parteichef Seehofer der Kanzlerin schrieb: „Liebe Angela, geltendes Recht wird nicht beachtet.“

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