http://www.faz.net/-gpf-8bkv4

Evangelische Kirche : Bedford-Strohm weist Angst vor Islamisierung zurück

  • Aktualisiert am

Nicht kleingläubig: Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Bild: dpa

Die von vielen Deutschen und einigen Politikern geäußerten Ängste vor einer Islamisierung Deutschlands durch muslimische Flüchtlinge weist Heinrich Bedford-Strohm im Gespräch mit der F.A.S. vehement zurück. Der EKD-Ratsvorsitzende vertraut auf die Kraft des christlichen Glaubens.

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Ängste vor einer Islamisierung Deutschlands als „kleingläubig“ zurückgewiesen. „Trauen wir unserem Glauben so wenig zu, dass wir befürchten müssen, bei 50 Millionen Christen könnte durch ein, zwei oder drei Millionen Muslime in Deutschland die christliche Kultur verschwinden?“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Jeder Bürger in Deutschland könne dazu beitragen, dass die Kraft des christlichen Glaubens wieder sichtbarer werde, fügte der bayrische Landesbischof hinzu. Zuvor hatte auch die frühere Ratsvorsitzende Margot Käßmann die Angst vor einer Islamisierung Deutschlands als „Unsinn“ bezeichnet. Zwei Drittel der Deutschen seien Mitglied einer Kirche und im Land lebten vier Millionen Muslime, von denen viele säkularisiert seien, sagte sie dem „Tagesspiegel“.  „Es gibt auch Extremisten, aber auf allen Seiten: Die einen werfen Brandsätze auf Flüchtlingswohnheime, andere lassen sich von Salafisten anwerben.“

          Bedord-Strohm wandte sich gegen einen militärischen Einsatz der Bundeswehr in Syrien. Er lehne militärische Gewalt gegen den IS nicht grundsätzlich ab. Die zivilen Mittel wie die Austrocknung der Finanzströme seien aber noch nicht ausgeschöpft, und es gebe kein klares Konzept über die Ziele eines Syrieneinsatzes. Die Lage in Syrien sei sehr unübersichtlich, und er sehe keine ausreichenden Chancen, mit den geplanten militärischen Mitteln zum Erfolg zu kommen.

          Mit Blick auf die Versorgung der Flüchtlinge sagte der Ratsvorsitzende, es gebe ausreichende Steuereinnahmen, um Hilfen für die Menschen zu finanzieren. Wichtig sei, dass die Unterstützung für Flüchtlinge nicht auf Kosten der sozial Schwachen in Deutschland gehe.

          Der bayrische Landesbischof kritisierte zudem eine wachsende Hetze in den sozialen Netzwerken. Er sorge sich um die Kommunikationskultur im Internet; sie könne Vorbote dessen sein, was später als salonfähig gelte. „Hetze muss gelöscht werden. Auch Konzerne wie Facebook müssen Grenzen beachten“, sagte er. Die Demokratie müsse sich als wehrhaft erweisen.

          Quelle: KNA

          Weitere Themen

          Luther, der wichtigste Finne

          Nordische Länder : Luther, der wichtigste Finne

          Die Nordischen Länder sind aus historischen Gründen heute die protestantischsten Staaten der Welt. Das half ihnen vor allem im Umgang mit dem Nachbarn Russland. Eine ökumenische Tiefenbohrung.

          Trump will Einreiseverbot ausweiten Video-Seite öffnen

          Umstrittenes Gesetz : Trump will Einreiseverbot ausweiten

          Der amerikanische Präsident Donald Trump will sein umstrittenes Einreiseverbot auf Bürger weiterer Staaten erweitern. Mit Nordkorea und Venezuela sind erstmals Länder auf der Liste, die nicht überwiegend von Muslimen bewohnt werden.

          IS-Miliz verübt Selbstmordanschlag in Pakistan Video-Seite öffnen

          Islamischer Staat : IS-Miliz verübt Selbstmordanschlag in Pakistan

          Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan starben mindestens 18 Menschen. 30 weitere mussten mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht werden. Der Anschlag ereignete sich an einer Pilgerstätte liberaler Sufi-Muslime, wo um einen religiösen Führer getrauert wurde.Die Extremistenmiliz Islamischer Staat übernahm die Verantwortung für das Attentat.

          Topmeldungen

          Geisteszustand des Präsidenten : Ist Donald Trump verrückt?

          Etliche Psychiater in den Vereinigten Staaten machen sich Sorgen um den Geisteszustand von Präsident Donald Trump. Dessen Verhalten ist zwar grenzwertig. Doch spiegelt es vor allem die Gesellschaft wider, die ihn an die Macht befördert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.