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Drogenhandel im Görlitzer Park : Ein Spalier aus Dealern

  • -Aktualisiert am

„Görli“ am Tag: Die Kreuzberger Mischung soll erhalten werden, aber das Problem mit Rauschgifthändlern wird dringlicher Bild: Pein, Andreas

Der Görlitzer Park in Berlin ist kein Ort mehr für Familien. Viele junge Flüchtlinge verdienen sich dort mit Drogen ein paar Euro.

           Nur durch ein Spalier junger Männer gelangt man in diesen Park. Wer ängstlich ist, betritt ihn gar nicht erst. Denn die Männer bieten aufdringlich den Kauf von Haschisch an, drehen die Musik auf, mustern die Passantinnen. Es ist leicht, sich über den „Görli“ aufzuregen, den Görlitzer Park als Sinnbild dessen aufzufassen, was an Kreuzberg befremdet. Eine gepflegte Grünanlage jedenfalls sieht anders aus. Die graffitibeschmierten Ruinen einer großen Brunnenanlage, die jahrelang nicht funktionierte, weil der Stein im harten Berliner Winter zerbröckelte, haben ihre Absperrung verloren und dienen als eine Art Amphitheater. An manchen Stellen wachsen die Sträucher so dicht, und das Gelände ist so unübersichtlich, dass es Angst macht. An allen Eingängen stehen junge Schwarze. Der Park ist laut, übernutzt, schmutzig.

          Nur mit einiger Geduld kann man sich den 14-Hektar-Park auf einer früheren Güterbahnanlage schöngucken. Lange musste Kreuzberg auf den Park warten. Seit den fünfziger Jahren war mehr Grün für den dicht besiedelten Stadtteil SO36 gefordert worden. Erst kurz bevor 1989 die Mauer fiel und die Spree nicht länger eine gefährliche Grenze war, wurde der Park angelegt. Hier halten sich Großstädter etwas auf ihre rauhen Umgangsformen zugute. Diese Grünanlage ist nicht für einen Sonntagsspaziergang gedacht, sondern um mit Freunden abzuhängen. Im Görlitzer Park gilt es schon als Errungenschaft, dass aus einer Wiese neben einem Spielplatz ein „Barfußort für jung und alt“ wurde, der „frei von Müll, Kippen, Kronkorken, Scherben und Hundekot“ sein soll. Eine Obstbaumwiese, idyllischer als im ländlichen Brandenburg.

          Gescheiterte Drogenpolitik

          „Nachts habe ich im Görli Angst“, sagte Monika Herrmann, seit August Bürgermeisterin des Bezirks Kreuzberg-Friedrichshain, der „B.Z.“ gleich in ihrem ersten Monat im neuen Amt. Gegen die Angst will sie nicht mit den bekannten Methoden von Sicherheit und Ordnung vorgehen – einen Zaun um den Görlitzer Park zu bauen und ihn nachts abzuschließen, wie es ein CDU-Politiker empfahl, kommt für sie nicht in Frage. Die „taz“ schrieb beschwichtigend, Gustaf Gründgens’ Lied im Film „Tanz auf dem Vulkan“ von 1938 zitierend: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da.“ Die Linksautonomen, die meinen, die kulturelle Hegemonie in Kreuzberg zu haben, setzten vier Autos in Brand: „Feuer gegen rassistischen Bürgermob“.

          Die Grünen schlugen eine „kontrollierte Abgabe von Cannabisprodukten in lizenzierten Abgabestellen am Görlitzer Park“ vor. Die Drogenpolitik sei gescheitert, der Drogenverkauf im Park habe stark zugenommen und sei aggressiver geworden. „Das sieht jeder“, sagt Paula Riester, die Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung von Kreuzberg-Friedrichshain. Cannabis sei zwar verboten, aber frei für jeden erhältlich, auch für Kinder, sagt Monika Herrmann. Mit der Coffeeshop-Idee nehme man den Jugend- und Gesundheitsschutz ernst. Nun beraten die Ausschüsse der Bezirksverordnetenversammlung darüber.

          Die aggressive Drogenvermarktung im Park ist die Schattenseite seines Erfolgs. In Blogs und Reiseführern für Partytouristen werde Kreuzberg-Friedrichshain empfohlen, im Park sei leicht Haschisch zu bekommen, erzählt die Bürgermeisterin. Ein Anwohner führt den aufdringlichen Drogenverkauf auf die vielen jungen Leute zurück, die aus den angesagten Friedrichshainer Clubs in den Görlitzer Park kämen. Eine Anwohnerin bestreitet dagegen, dass die Rauschgifthändler in den vergangenen Jahren aggressiver geworden seien, sie sei nie belästigt worden. Ein Imbissbesitzer wiederum meint, die Dealer sprächen Kinder an, die Verkäufe würden neben seinem Laden in einem Hauseingang getätigt.

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