Kollision in Spanien :
„Die Leute wurden aus dem Zug geschleudert“

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Nahe Urda in der Provinz Toledo: Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.
Nahe Urda in der Provinz Toledo: Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.dpa

Mindestens 46 Tote: Nach der Kollision von zwei Zügen auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke südlich von Madrid berichten Augenzeugen von „absolutem Chaos“. Offenbar führte menschliches Versagen zu dem Unfall.

Nach dem Zugunglück in Spanien ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Nach Behördenangaben kamen mindestens 46 Menschen ums Leben, zunächst war von „mindestens zehn“ die Rede gewesen. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch noch deutlich steigen.

„Es könnte schlimmer werden als in Adamuz“, hieß es aus Regierungsquellen. Bei Adamuz in Andalusien waren bei einem verheerenden Zugunglück auf der gleichen Strecke im Januar 46 Menschen ums Leben gekommen. Danach mehrten sich die Hinweise auf den maroden Zustand des überlasteten Hochgeschwindigkeitsnetzes, das bis dahin als eines der besten auf der Welt gegolten hatte.

„Es ist mit einer großen Tragödie zu rechnen“

Der jüngste Unfall wurde nach ersten Erkenntnissen durch menschliches Versagen in der Leitstelle am Madrider Bahnhof Atocha verursacht, wie am Vormittag auch die spanische Regierung mitteilte. Von dort wurde der AVE-Zug trotz des Ausfalls des automatischen Zugsteuerungssystems, das mehrere Züge gestoppt hatte, angewiesen, weiterzufahren. Der Unfall ereignete sich am Mittwochmorgen gegen 8.30 Uhr, etwa 120 Kilometer von Madrid entfernt.

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Nach Behördenangaben befanden sich im Iryo-Zug 146 Fahrgäste und ein Kleinkind, im AVE reisten 397 Passagiere. Laut der staatlichen Eisenbahngesellschaft Renfe war der AVE 2080 kurz vor dem Bahnhof von Urda in der Provinz Toledo mit dem offenbar stehenden Iryo 6076 zusammengeprallt, wodurch zwei Waggons des Iryo-Zuges entgleisten.

„Es ist mit einer großen Tragödie zu rechnen“, sagte Gesundheitsministerin Mónica García. Es gebe viele Schwerverletzte mit Schädel-Hirn-Traumata und Rückenmarksverletzungen. Sämtliche Rettungskräfte in der Region und die Notfalleinheit der Armee (UME) wurden aktiviert. Die umliegenden Krankenhäuser in Madrid und Kastilien-La Mancha bereiteten Intensivbetten und Operationssäle vor. Es wurde zu Blutspenden aufgerufen. Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen, wie der spanische Bahnnetzbetreiber Adif mitteilte.

Der Schock sitzt tief: Einsatzkräfte und Passanten am Mittwoch in der Nähe des Unfallorts
Der Schock sitzt tief: Einsatzkräfte und Passanten am Mittwoch in der Nähe des UnfallortsEPA

„Es ist furchtbar, unbeschreiblich“, sagte einer der Fahrgäste dem Fernsehsender TVE, nachdem er den Zug verlassen hatte. Eine TVE-Reporterin sprach von „absolutem Chaos“ am Unfallort. Passagiere stiegen aus den Zügen, andere suchten nach Angehörigen. Augenzeugen sprachen von einer „dantesken Situation“. „Die Leute wurden aus dem Zug geschleudert. Wir dachten, wir wären entgleist“, berichtete ein Journalist der Zeitung „El País“, der im AVE fuhr.

„Ich bin zutiefst betroffen“, schrieb Ministerpräsident Pedro Sánchez in einer ersten Reaktion. Er wird zusammen mit dem Verkehrsminister Óscar Puente heute am Unglücksort erwartet. Die Regierung sagte am Mittwoch alle Termine ab, alle Parteien unterbrachen den Vorwahlkampf. Auch das Königspaar äußerte sich „erschüttert und besorgt“.

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