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Jeroen Dijsselbloem : Eurogruppen-Chef: Zypern-Rettung ist Wendepunkt

  • Aktualisiert am

Jeroen Dijsselbloem Bild: AFP

Wie mit den strauchelnden Banken Zyperns nun umgegangen wird, könnte ein Modell für drohende Pleiten auch in anderen Ländern werden. Zyperns Banken öffnen nun doch erst am Donnerstag wieder.

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          Die Rettung Zyperns über die Restrukturierung seiner Großbanken markiert nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem einen Einschnitt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise in der Euro-Zone. Zum einen stehe der Fall Zypern Modell für den Umgang mit drohenden Bankpleiten in der Zukunft, erklärte Dijsselbloem in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters und der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ am Montag in Brüssel. Zum anderen sei klar, dass auch andere Euro-Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten. Das vor allem von einer Bankenkrise geplagte Zypern hatte nach heftigem Streit mit den internationalen Geldgebern im zweiten Anlauf ein Rettungspaket vereinbart. Die beiden größten Banken des Landes, die Bank of Cyprus und die Laiki-Bank, sollen zusammengelegt und der Banksektor eingedampft werden.

          Die Banken des Landes sollen nun - ohne Ausnahme - doch erst am Donnerstag wieder öffnen. Dies gab der zyprische Finanzminister Michalis Sarris am späten Montagabend bekannt. Zuvor hatte die Zentralbank erklärt, dass am Dienstag alle kleinen Kooperativbanken, die kleine zyprische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken aufmachen würden. Die beiden angeschlagenen großen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, sollten von vornherein erst am Donnerstag wieder öffnen. Doch die kleinen Banken hätten heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den großen protestiert, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet. Die Banken auf Zypern sind bereits seit dem 16. März geschlossen.

          Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bezeichnete die mit den internationalen Geldgebern seines Landes vereinbarten Rettungsmaßnahmen als „schmerzhaft“ . Die Mittelmeerinsel werde aber „wieder auf die Beine kommen“, sagte Anastasiades am Montagabend in einer vom Fernsehen übertragenen Rede an die Nation überzeugt. Die Verhandlungen mit der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds bezeichnete er als „sehr schwierig“. Es habe dabei „dramatische Augenblicke“ gegeben, sagte Anastasiades. Gemeinsames Ziel sei es aber gewesen, „unser Land zu retten“.

          Eurogruppen-Chef Dijsselbloem betonte am Montagabend in einer Mitteilung, dass die Bankenrettung in Zypern kein Modell für andere Länder sei. „Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“, schrieb der niederländische Finanzminister. In der Mitteilung hieß es: „Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt.“

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