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Korruptionsskandal : Gerangel um den Airbus-Thron

Gespannte Lage: Konzernlenker Tom Enders und Passagierjet-Chef Fabrice Brégier Bild: Imago

Der Druck auf Airbus-Chef Tom Enders wächst. Der Korruptionsskandal schürt Spekulationen über einen möglichen Nachfolger. Doch die Bundesregierung blockiert die Versuche staatlicher Einflussnahme aus Frankreich.

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          Im Hause Airbus wird im Zuge der Korruptionsaffären mehr und mehr mit offenem Visier gekämpft. Weil der Vorstandsvorsitzende Tom Enders als geschwächt gilt, kommen nun Namen ins Gespräch, die als Alternative für die Konzernspitze gelten sollen. Die gut informierte französische Satirezeitschrift „Canard Enchaîné“ meldete am Mittwoch, dass der französische Präsident Emmanuel Macron einen Landsmann auf den Platz von Enders plazieren will.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Eine Reihe von externen Kandidaten soll in Betracht kommen. Im Elysée-Palast wurde der Bericht nicht kommentiert, doch dass Planspiele dieser Art geprüft werden, steht außer Frage. Auch die aktuelle Nummer zwei bei Airbus, der Franzose Fabrice Brégier, soll sich Hoffnungen auf die Nachfolge machen.

          Doch die Bundesregierung schob solchen Avancen aus Frankreich am Freitag einen Riegel vor. „Es gibt für die Bundesregierung derzeit keinen Anlass, in ihrer Rolle als Aktionär auf eine Änderung der Beteiligung oder der Satzung hinzuwirken“, sagte der Regierungssprecher Steffen Seibert. Eine Personaldebatte stehe derzeit "nicht auf der Tagesordnung“.  Enders selbst sagte bei einer Feier zum Riesenflieger A380 im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder: „Ich kenne niemanden, der ernsthaft darüber nachdenkt, wieder mehr politische Kontrolle über Airbus auszuüben“. Schließlich habe sich der Konzern in der jetzigen Konstellation gut entwickelt.

          Spannungen im Airbus-Hauptquartier erreichen neues Niveau

          Die Spannungen im Airbus-Hauptquartier von Toulouse erreichen nun ein neues Niveau. Enders hat sich angesichts der vielzähligen Korruptionsvorwürfe für die Flucht nach vorne entschieden. Alles Verdächtige müsse geprüft und vieles an die Öffentlichkeit gezerrt oder zumindest den Justizbehörden bekanntgemacht werden – so lautet sein Marschplan. Dies führt zu viel interner und externer Kritik, gerade in Frankreich. Was der Deutsche am 6. Oktober in einem Brief an die Mitarbeiter geschrieben hat – „Stellen Sie sich auf turbulente Zeiten ein“ –, gilt nun vor allem für ihn. Dennoch ließ der Airbus-Chef am Mittwoch indirekt verkünden, dass er gelassen bleibe. Denn nach seiner Einschätzung stehe der Verwaltungsrat des Konzerns weiter hinter ihm, trotz gegenteiliger Spekulationen in den Medien. Alles andere sei nur „Unruhe, die von interessierten Gruppen ins Unternehmen hineingetragen werde“, sagte ein Kenner von Airbus am Mittwoch.

          Enders testet damit die neue Konzernstruktur, die auf sein Drängen nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungshersteller BAE Systems vor vier Jahren eingeführt worden war. Seitdem ist der staatliche Einfluss auf Airbus deutlich zurückgedrängt. So halten die deutsche Gesellschaft zur Beteiligungsverwaltung GZBV mbH & Co. KG sowie ihr französisches Pendant jeweils 11,1 Prozent des Kapitals.

          Kräftemessen zwischen drei Regierungen und Airbus

          Hinzu kommt die spanische Gesellschaft Sepi mit 4,2 Prozent. Insgesamt stehen also 26,4 Prozent der Aktien in Staatshand einer Mehrheit von 73,6 Prozent gegenüber, die sich in breit gestreutem privatem Besitz befinden. Darunter sind vor allem institutionelle Investoren.

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