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Führungspositionen : Wirtschaft bleibt weiterhin in erster Linie Männersache

Frauen brauchen Geduld und Ausdauer, wollen sie in der Männerdomäne Wirtschaft erfolgreich sein. Bild: dpa

Frauen in Führungspositionen bleiben selten - auch ein Jahr, nachdem in der Bundesregierung heftig über die Einführung einer Frauenquote in Konzernvorständen und -aufsichtsräten diskutiert worden war.

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          Nicola Leibinger-Kammüller hat viel zu tun. Sie führt das Maschinenbau-Unternehmen Trumpf in Ditzingen nahe Stuttgart, sie ist Aufsichtsrätin bei Siemens, bei der Lufthansa, beim Axel-Springer-Verlag und beim Mähdrescherhersteller Claas. Dem Beirat der Landesbank Baden-Württemberg gehört die Zweiundfünfzigjährige auch noch an, ferner dem Rat für Innovation und Wachstum der Bundeskanzlerin und dem Präsidium des ASU, des Bundesverbands der Familienunternehmen. Keine Frage, die Gastrednerin des Neujahrsempfangs der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, der heute um 18.30 Uhr beginnt, ist gefragt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch Leibinger-Kammüller, die in eine Unternehmerfamilie hineingeboren und 2005 Chefin des von ihrem Vater aufgebauten Betriebes wurde, ist in der Wirtschaftswelt eine Ausnahme. Frauen in Führungspositionen bleiben selten - auch ein Jahr, nachdem in der Bundesregierung heftig über die Einführung einer Frauenquote in Konzernvorständen und -aufsichtsräten diskutiert worden war, zu deren Einführung es am Ende nicht kam. Und so wird auch die schwäbische Managerin heute Abend vor allem vor Männern zum Thema „Vom Wirtschaften in unsicheren Zeiten“ referieren. Vor einigen Tagen zählte man in der IHK nach: Unter den 1640 Zusagen zu dem heutigen Empfang waren gerade einmal 281 von Frauen. Das ist nicht einmal ein Fünftel.

          Nur eine Zwischenstation des Karriereweg

          In den Konzernleitungen der Region finden sich weiterhin fast ausnahmslos Männer. Die Deutsche Bank, die Commerzbank, Fraport: Frauen sind an der Spitze nicht zu finden. Das gilt auch für viele andere Unternehmen. Im zurückliegenden Jahr sind sogar zwei Führungspositionen wieder von Frauen an Männer gefallen: Ikea Deutschland mit Sitz in Hofheim-Wallau wird nicht mehr von Petra Hesser geführt, sondern von Peter Betzel, beim Frankfurter Chemieunternehmen Allessa löste Thomas Büttner die bisherige Geschäftsführerin Almuth Poetz ab. Während diese angab, künftig als Unternehmensberaterin arbeiten zu wollen, leitet Hesser jetzt in der Konzernzentrale in Schweden das internationale Personalressort - für sie war Hofheim nur eine Zwischenstation ihres Karrierewegs.

          Hinzugekommen ist Edeltraud Leibrock, die seit Oktober dem Vorstand der KfW-Bankengruppe angehört und dort als Chief Operating Officer und Chief Information Officer unter anderem für die IT zuständig ist. Im April wird Eva Wunsch-Weber an die Spitze der Frankfurter Volksbank rücken. Zu den ranghohen Frauen in der Wirtschaft der Region zählen weiterhin Rita Forst und Susanna Webber im Opel-Vorstand, Diana Peninger in der Geschäftsführung des Chemiekonzerns Celanese, Katharina Herrmann im Vorstand der ING Diba, Christine Kreidl als Vorstand bei KPMG und Marie-Luise Wolff im Mainova-Vorstand. Dem Direktorium der Europäischen Zentralbank hingegen gehören seit Juni wieder ausschließlich Männer an; die einzige Frau, Gertrude Tumpel-Gugerell aus Österreich, wurde von dem Belgier Peter Praet ersetzt.

          Nur eine Frau im Präsidium der IHK

          Die Frauen müssen offenbar Geduld haben. Praktisch jedes größere Unternehmen hat sich ihre Förderung zum Ziel gesetzt, und in der Tat finden sich zahlreiche Frauen in den Führungsebenen unterhalb der Vorstände. Bei der Commerzbank ist idealtypisch zu sehen, wie der Anteil nach oben hin immer niedriger wird. Man kann dies entweder als Beleg dafür nehmen, dass Frauenkarrieren weiterhin niedriger enden als die von Männern, man kann aber auch sagen, dass die Frauen von unten her immer stärker nachrücken. Jedenfalls gab das Kreditinstitut vor Jahresfrist noch etwas niedrigere Frauenanteile an. Dort wie auch anderswo ist man stolz auf Betriebskindergärten und -krippen sowie auf die Selbstverpflichtung, die den Dax-Konzernen am Ende der Debatte um eine gesetzliche Frauenquote abgetrotzt wurde - bei der Commerzbank soll der Frauenanteil in den Führungsebenen bis 2015 auf 30Prozent steigen, und die Förderung von Frauen ist bei den Managern der ersten Führungsebene ein Maßstab für die Berechnung ihrer Vergütung, wie eine Sprecherin erläutert. Bei der Deutschen Bank hingegen wird eine Ziel-Quote nicht genannt, im Geschäftsbericht 2012 werde von Frauenförderung die Rede sein, heißt es - ergänzt um den Hinweis, Vielfalt sei seit Jahren Teil der Unternehmensphilosophie.

          Auch in der IHK Frankfurt sind Frauen nach wie vor in der Minderheit. Dem Präsidium gehört mit Karen Hoyndorf nur eine Frau an, und auch bei Neujahrsempfängen waren Gastredner zumeist Männer. Ganz unter sich sind sie allerdings schon lange nicht mehr. Ein Grußwort spricht traditionell auch das Frankfurter Stadtoberhaupt.

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