https://www.faz.net/-gpf-9hoi1

Ein Stabschef fürs Weiße Haus : Nachfolger dringend gesucht

Sagt dem Präsidenten, wo es lang geht: Der Stabschef des Weißen Hauses Bild: Reuters

Donald Trump sagt, für den Posten seines Stabschefs stünden die Leute Schlange. Doch die Realität scheint die Worte des amerikanischen Präsidenten Lügen zu strafen.

          5 Min.

          Donald Trump ist in Amerika zwar schon seit Jahrzehnten als Immobilienunternehmer bekannt, doch zu Ruhm kam er erst ab 2004, als er in der Reality-Sendung „The Apprentice“ nach Mitarbeitern für sein Unternehmen suchte. Kandidaten mussten Woche für Woche Aufgaben erfüllen, und jedes Mal wurde einer ausgesiebt, bis nur noch einer übrig war. Sein „You´re fired“ wurde zu einem Markenzeichen, mit dem er sich gerne als harter Geschäftsmann profilierte.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Trotz der Demütigungen, die die Kandidaten von ihm erfuhren, gab es immer genügend Menschen, die mitmachen wollten, es gab sogar einen Ableger, in dem bekannte Persönlichkeiten um seine Gunst warben. Das genaue Gegenteil scheint nun allerdings eingetreten zu sein: Trump sucht einen neuen Stabschef für das Weiße Haus und kann keinen finden, weil kaum jemand den Job haben will.

          Am 8. Dezember gab der amerikanische Präsident bekannt, dass der jetzige Inhaber des Postens, John Kelly, ein früherer General der Marines, diesen zum Ende des Jahres verlassen werde. Der Schritt war lange erwartet worden. 2016 ins Weiße Haus geholt, um Disziplin und Stabilität in die Regierungsgeschäfte zu bringen, soll Kelly sehr schnell Trumps Gnade verloren haben – weil er tatsächlich versucht haben soll, seinen Job auszufüllen. Doch augenscheinlich ließ sich der amerikanische Präsident nicht gerne kontrollieren und desavouierte seinen Mitarbeiter immer wieder. Auch mit Trumps einflussreicher Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner – beide Berater des Präsidenten – stieß Kelly zusammen, als er Kushners Sicherheitsfreigabe zurücknahm, so dass dieser vom Informationsfluss abgeschnitten wurde. Zuletzt habe Trump nicht mal mehr mit ihm gesprochen, heißt es in amerikanischen Medien.

          Anfangs schien die Neubesetzung des Postens nur eine Angelegenheit von wenigen Tagen zu sein. Trump selbst sagte, er wolle ein oder zwei Tage später seinen neuen Stabschef präsentieren. Wer das sein sollte, war ebenso schnell klar: Nick Ayers, Stabschef des Vizepräsidenten. Ayers war ein guter Bekannter von Jared Kushner und brachte Loyalität sowie einige politische Erfahrung mit. Doch nur einen Tag später gab der Kandidat auf Twitter bekannt, dass er die Administration verlassen werde. Als Grund gab er an, er wolle mehr bei seiner Familie im Bundesstaat Georgia sein.

          Für Trump scheint das ein herber Rückschlag gewesen zu sein, denn plötzlich sagte er, er sei „nicht in Eile“, den Posten neu zu besetzen; es könne durchaus ein paar Wochen dauern. Einen Plan B scheinen er und seine Berater nicht gehabt zu haben. Doch Trump zeigte sich weiterhin zuversichtlich. Auf Twitter schrieb er am Dienstag, es gebe „mehr als zehn“ Personen, die sich um den Posten rangelten. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er am Mittwoch, es gebe „mindestens zehn bis zwölf Personen – zwölf Personen, die die Stelle wirklich wollen“.

          Jeder wolle den Job haben, aber er habe einfach nicht die Zeit, mit allen zu sprechen und deshalb könne die Auswahl noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen. Am Donnerstag wiederum sagte er bei einer Veranstaltung, die Liste sei auf fünf Personen verkürzt worden. Und ebenfalls am Donnerstag berichtete die „Huffington Post“, Trump ziehe in Erwägung, seinen Schwiegersohn Jared Kushner zu seinem engsten Mitarbeiter zu machen. Für den ehemaligen Gouverneur von Pennsylvania und Vorsitzenden der Demokraten, Edward Rendell, ist das ein Zeichen dafür, dass es niemanden von einiger politischer Statur gebe, der den Job haben wolle. Eine Berufung Kushners wäre „ungeheuerlich“, sagte er dem Sender MSNBC.

          Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, versuchte, die Gemüter zu beruhigen. Ihr sei nicht bekannt, dass Kushner für den Posten in Betracht gezogen werde, sagte sie Journalisten vor dem Weißen Haus. Doch egal in welcher Position er der Administration diene, er werde auf jeden Fall eine gute Arbeit machen, so Huckabee-Sanders.

          Alter Bekannter mit neuem Einfluss?

          Kushner ist aber nur einer der Namen, die mit dem Posten in Verbindung gebracht werden. Einer, der sofort nach Ayers Ablehnung genannt wurde, war der Anführer des ultrakonservativen Freedom Caucus der Republikaner im Repräsentantenhaus, Mark Meadows. Dieser ist ein Anhänger Trumps und es wurde kolportiert, er habe Interesse an dem Posten. Am Mittwoch sagte jedoch Huckabee-Sanders, der Präsident habe entscheiden, Meadows solle lieber seine gute Arbeit im Kongress fortsetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sicherheitszone in Syrien : Kramp-Karrenbauer auf Konfrontationskurs

          Die Verteidigungsministerin fordert eine internationale Schutzzone in Nordsyrien – und schließt auch den Einsatz deutscher Soldaten dabei nicht aus. Damit irritiert sie die SPD und vor allem Außenminister Maas. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten.

          Google Pixel 4 XL im Test : Unter dem Radar

          Google probiert im Pixel 4 einen neuen Sensor aus. Mit Hilfe von Radartechnologie lasst sich das Smartphone berührungslos steuern. Auch die Kamera überzeugt mit einer neuen Funktion.
          Armutszuwanderung: Der Versuch, Kinder von Migranten durch Kinderstuben und Auffangklassen besser zu integrieren, gelingt nicht immer. Es ist vor allem schwer, die Eltern einzubeziehen.

          Ein Lehrer berichtet : Integration durch die Schule?

          Anspruch und Wirklichkeit entlang des A-40-Äquators: In Duisburg sollen die Eltern von Einwandererfamilien stärker in den Bildungsprozess ihrer Kinder einbezogen werden. Funktioniert das? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.