„Prager Frühling“ : Nur ein Verkehrsunfall?

Die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 durch die Warschauer-Pakt-Staaten markierte indes nicht nur das Ende der ostpolitischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Frankreich. Sie wirkte auch als „Katalysator“ für die künftige Bonner Ostpolitik.
Die Ukraine-Krise, so lautet ein ebenso verbreitetes wie verwegenes Argument russischer Politiker, sei das Ergebnis einer verfehlten EU-Politik. Denn mit dem von ihr allzu offensiv vorgetragenen Angebot eines Freihandels- und Assoziie-rungsabkommens habe die EU den inner-ukrainischen Konflikt um die außenpolitische Ausrichtung angeheizt und Russland nach dem Umsturz in Kiew zum Handeln genötigt. Dem historisch Bewanderten kam der Stil der Schuldzuweisung ziemlich vertraut vor: Hatte der Kreml nicht auch die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 mit Provokationen „des Westens“ begründet? Wie berechtigt beziehungsweise unberechtigt die Vorwürfe damals waren, zeigt nun die Studie von Birgit Hofmann. Quellennah und luzide untersucht sie die Haltung des Westens gegenüber der Krise in der Tschechoslowakei am Beispiel der „Referenzakteure“ Frankreich und Bundesrepublik Deutschland.





