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Nach Machtwechsel in Sudan : Arabisches Beben

Sudanesische Demonstranten feiern vor dem Verteidigungsministerium die Verhaftung des langjährigen Präsidenten Omar al-Bashir durch die Streitkräfte. Bild: dpa

Die Arabellion setzt sich derzeit in Algerien und Sudan fort. Weitere Länder werden folgen.

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          Auch im achten Jahr ist die Arabellion noch nicht zu Ende. In Libyen tritt der Bürgerkrieg mit der Schlacht um Tripolis in eine neue, blutige Phase, in Algerien zwangen Demonstranten Präsident Bouteflika zum Rücktritt, und in Sudan setzte das Militär den Langzeitherrscher Baschir ab. Bouteflika und Baschir waren als Generäle an die Macht gekommen, und sie haben an ihr zwanzig beziehungsweise dreißig Jahre festgehalten.

          Heute aber fordern die Demonstranten zivile Regierungen, Gerechtigkeit und ein Ende der Korruption. Das waren auch die Anliegen der Demonstranten des Jahres 2011 gewesen. Wirklichkeit wurden die Forderungen bestenfalls in Tunesien. Die anderen Länder der Arabellion stürzten in Bürgerkriege oder befinden sich im Würgegriff der Konterrevolution, die von Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert und von Ägypten vorangetrieben wird.

          Kein Land gleicht dem anderen

          In Libyen hat der Bürgerkrieg aufgrund der widerstreitenden Interessen der vielen internen und externen Akteure eine Eigendynamik entwickelt, die vorerst nicht zu stoppen sein wird. Von den Szenarien in den Ländern gelernt, in denen die Arabellion gescheitert ist, haben jedoch die Demonstranten in Sudan, wo die Proteste im Dezember begonnen hatten, sowie in Algerien, wo sie seit zwei Monaten andauern. Sie misstrauen den Absichtserklärungen des Militärs und auch den Absichten der reichen Golfstaaten, die um jeden Preis einen Wandel von unten verhindern wollen.

          Auch wenn die Ursachen der Proteste in allen Ländern ähnlich sind, gleicht kein Land dem anderen. In Algerien treten die Demonstranten stark und geschlossen auf, und das Militär findet keinen Plan, was die Berufung eines greisen Apparatschiks zum Übergangspräsidenten zeigt. In Sudan hingegen scheint das Militär die Hoffnung nicht aufzugeben, dass das Bauernopfer Baschir ausreicht, um die Macht doch noch zu verteidigen. Soldaten halten nach dem Militärputsch strategische Punkte besetzt, und die neuen Machthaber flüchten sich in vage Versprechen für die kommenden zwei Jahre. Damit werden sich die Demonstranten, unter denen die Frauen deutlich in der Mehrheit sind, nicht abspeisen lassen – zumal es auch dem Baschir-Regime nicht gelungen war, die Proteste innerhalb von vier Monaten zu ersticken. Das arabische Beben setzt sich derzeit in Algerien und Sudan fort. Weitere Länder werden folgen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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