https://www.faz.net/-gpf-9lv9z

Nach Machtwechsel in Sudan : Arabisches Beben

Sudanesische Demonstranten feiern vor dem Verteidigungsministerium die Verhaftung des langjährigen Präsidenten Omar al-Bashir durch die Streitkräfte. Bild: dpa

Die Arabellion setzt sich derzeit in Algerien und Sudan fort. Weitere Länder werden folgen.

          1 Min.

          Auch im achten Jahr ist die Arabellion noch nicht zu Ende. In Libyen tritt der Bürgerkrieg mit der Schlacht um Tripolis in eine neue, blutige Phase, in Algerien zwangen Demonstranten Präsident Bouteflika zum Rücktritt, und in Sudan setzte das Militär den Langzeitherrscher Baschir ab. Bouteflika und Baschir waren als Generäle an die Macht gekommen, und sie haben an ihr zwanzig beziehungsweise dreißig Jahre festgehalten.

          Heute aber fordern die Demonstranten zivile Regierungen, Gerechtigkeit und ein Ende der Korruption. Das waren auch die Anliegen der Demonstranten des Jahres 2011 gewesen. Wirklichkeit wurden die Forderungen bestenfalls in Tunesien. Die anderen Länder der Arabellion stürzten in Bürgerkriege oder befinden sich im Würgegriff der Konterrevolution, die von Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert und von Ägypten vorangetrieben wird.

          Kein Land gleicht dem anderen

          In Libyen hat der Bürgerkrieg aufgrund der widerstreitenden Interessen der vielen internen und externen Akteure eine Eigendynamik entwickelt, die vorerst nicht zu stoppen sein wird. Von den Szenarien in den Ländern gelernt, in denen die Arabellion gescheitert ist, haben jedoch die Demonstranten in Sudan, wo die Proteste im Dezember begonnen hatten, sowie in Algerien, wo sie seit zwei Monaten andauern. Sie misstrauen den Absichtserklärungen des Militärs und auch den Absichten der reichen Golfstaaten, die um jeden Preis einen Wandel von unten verhindern wollen.

          Auch wenn die Ursachen der Proteste in allen Ländern ähnlich sind, gleicht kein Land dem anderen. In Algerien treten die Demonstranten stark und geschlossen auf, und das Militär findet keinen Plan, was die Berufung eines greisen Apparatschiks zum Übergangspräsidenten zeigt. In Sudan hingegen scheint das Militär die Hoffnung nicht aufzugeben, dass das Bauernopfer Baschir ausreicht, um die Macht doch noch zu verteidigen. Soldaten halten nach dem Militärputsch strategische Punkte besetzt, und die neuen Machthaber flüchten sich in vage Versprechen für die kommenden zwei Jahre. Damit werden sich die Demonstranten, unter denen die Frauen deutlich in der Mehrheit sind, nicht abspeisen lassen – zumal es auch dem Baschir-Regime nicht gelungen war, die Proteste innerhalb von vier Monaten zu ersticken. Das arabische Beben setzt sich derzeit in Algerien und Sudan fort. Weitere Länder werden folgen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Weitere Themen

          Russland schließt vorerst seine Vertretung bei der NATO Video-Seite öffnen

          Nach Spionagevorwürfen : Russland schließt vorerst seine Vertretung bei der NATO

          Russland schließt bis auf Weiteres seine Vertretung am NATO-Hauptquartier in Brüssel. Auch die Vertretung der Militärallianz in Moskau werde geschlossen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Die NATO hatte kürzlich Mitgliedern der russischen Vertretung wegen Spionagevorwürfen die Akkreditierung entzogen.

          Topmeldungen

          Julian Reichelt am 30. Januar 2020 auf einer Messe in Düsseldorf

          Bild-Chef Julian Reichelt : Sex, Lügen und ein achtkantiger Rauswurf

          Erst bringt die New York Times eine Riesenstory über Springer. Vorher stoppt der Verleger Ippen eine Recherche über den Bild-Chef Reichelt. Der ist seinen Job plötzlich los. Er hat wohl den Vorstand belogen. Die Chaostage sind perfekt.
          Antje Rávik Strubel, Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2021, am Montagabend in Frankfurt

          Deutscher Buchpreis 2021 : Die abgeklärte Kämpferin

          Exzellente Wahl: Antje Rávik Strubel erhält für ihren Roman „Blaue Frau“ den Deutschen Buchpreis. Aus ihren Dankesworten war eine große Sicherheit zu spüren, diesen Preis verdient zu haben: als Lohn für eine Kampfansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.