https://www.faz.net/-gpf-9hy9r

Kirchenstrafrecht : Schlanker Fuß

Die Kirchturmspitze des Osnabrücker Doms Bild: dpa

Das kirchliche Strafrecht hält elementaren Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren nicht stand. Doch auch hierzulande macht sich die Justiz einen schlanken Fuß, blickt man auf den Fall Tebartz-van Elst.

          Die Aufforderung des Papstes, alle Kinderschänder in Soutane möchten sich bekehren, sich der staatlichen Justiz stellen und sich auf die göttliche Gerechtigkeit vorbereiten, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wie viele Kirchenleute die Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit oder auch die Angst vor staatlicher Strafverfolgung jemals davon abgehalten haben, zum Täter zu werden, weiß Gott allein.

          Gewiss ist nur, dass es die kirchliche Gerechtigkeit – oder das, was als solche ausgegeben wurde – nicht war. Daran wird sich so bald nichts ändern. Das kirchliche Strafrecht hält elementaren Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren nicht stand, zudem sind versierte Kirchenjuristen in den meisten Ländern der Welt nachgerade Exoten.

          Angesichts einer (Un-)Kultur der Straflosigkeit, in deren Schatten Missbrauch jeder Art gedeihen konnte, den Staat in der Pflicht zu sehen, ist im Grund grotesk – zumal es in vielen Regionen der Welt in Sachen Rechtsstaat nicht besser aussieht als in der Kirche. Selbst hierzulande macht sich die Justiz – siehe auch den Fall Tebartz-van Elst – bis heute bisweilen einen schlanken Fuß.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Sri Lanka im Schockzustand Video-Seite öffnen

          Reaktionen auf das Attentat : Sri Lanka im Schockzustand

          Mehr als 200 Menschen sind bei dem Terroranschlag in Sri Lanka gestorben. Hunderte wurden verletzt. Die Attentate, zu denen sich zunächst niemand bekannte, sind die schwersten seit Ende des Bürgerkrieges vor zehn Jahren.

          Topmeldungen

          Ein Serienstar wird Präsident : Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

          Der Komiker Wolodymyr Selenskyj hat den Aufstieg seines Serien-Alter-Egos im echten Leben wahrgemacht. Er wird laut Prognosen Präsident der Ukraine. Seinen ersten Auftritt nach der Wahl nutzt der umstrittene Polit-Newcomer, um eine Botschaft zu senden – und ein Versprechen abzugeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.