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Kirchenstrafrecht : Schlanker Fuß

Die Kirchturmspitze des Osnabrücker Doms Bild: dpa

Das kirchliche Strafrecht hält elementaren Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren nicht stand. Doch auch hierzulande macht sich die Justiz einen schlanken Fuß, blickt man auf den Fall Tebartz-van Elst.

          Die Aufforderung des Papstes, alle Kinderschänder in Soutane möchten sich bekehren, sich der staatlichen Justiz stellen und sich auf die göttliche Gerechtigkeit vorbereiten, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wie viele Kirchenleute die Furcht vor der göttlichen Gerechtigkeit oder auch die Angst vor staatlicher Strafverfolgung jemals davon abgehalten haben, zum Täter zu werden, weiß Gott allein.

          Gewiss ist nur, dass es die kirchliche Gerechtigkeit – oder das, was als solche ausgegeben wurde – nicht war. Daran wird sich so bald nichts ändern. Das kirchliche Strafrecht hält elementaren Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren nicht stand, zudem sind versierte Kirchenjuristen in den meisten Ländern der Welt nachgerade Exoten.

          Angesichts einer (Un-)Kultur der Straflosigkeit, in deren Schatten Missbrauch jeder Art gedeihen konnte, den Staat in der Pflicht zu sehen, ist im Grund grotesk – zumal es in vielen Regionen der Welt in Sachen Rechtsstaat nicht besser aussieht als in der Kirche. Selbst hierzulande macht sich die Justiz – siehe auch den Fall Tebartz-van Elst – bis heute bisweilen einen schlanken Fuß.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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