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Weltbevölkerung : Volles Haus

Die Stiftung Weltbevölkerung sagt voraus, dass der Anteil der Europäer abnehmen wird - derjenige der Asiaten allerdings auch Bild: dpa

Es wird enger auf der Welt, und die Wachstumsdynamik geht vor allem von Afrika aus. Europa wird sich darauf einstellen müssen, dass die Wanderungsströme nicht versiegen. Anderes zu glauben ist Wunschdenken.

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          Das ist die Disziplin, in der die Entwicklungsländer klar vorne liegen: Um achtzig Millionen Menschen ist die Weltbevölkerung 2013 gewachsen, und dieses Wachstum, das in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht, konzentriert sich auf eben diese Länder. 7,2 Milliarden Menschen werden zum Jahreswechsel auf der Erde leben, die meisten von ihnen, rund sechzig Prozent, in Asien – nicht wenige in Wohlstand, viele auskömmlich, viele in Armut.

          Fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung leben heute in Europa und in Nordamerika. Wir sind also eindeutig in der Minderheit, und daran wird sich nichts ändern, im Gegenteil: Die Stiftung Weltbevölkerung sagt voraus, dass der Anteil der Europäer abnehmen werde, derjenige der Asiaten allerdings auch.

          Und der Gewinner ist: Afrika

          Und der „Gewinner“? Das ist eindeutig Afrika, dessen Anteil an der Gesamtbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 25 Prozent steigen dürfte. Die Wachstumsdynamik und die damit einhergehenden Bevölkerungsgewichte verlagern sich somit weiter dorthin, wo viele Leute kein Auskommen finden und keine Perspektive sehen. Gerade der europäische Nachbarkontinent, dessen Regierungen auch unter dem Eindruck einer in dieser Sache skeptischen bis ablehnenden Bevölkerung reichlich ratlos sind, wie sie es mit der Einwanderung halten sollen, wird sich also darauf einstellen können (oder müssen), dass die Wanderungsströme nicht versiegen werden. Anderes zu glauben ist Wunschdenken.

          Selbst wenn hier und da erfreuliche wirtschaftliche Wachstumsprozesse in Gang gekommen sind und nicht alles nur in Kriegs- und Bürgerkriegsfarben zu malen ist, so ist die Vermutung äußerst kühn, dass der Abwanderungsdruck spürbar nachlassen werde. Er wird nicht nachlassen.

          Frei nach Mark Twain sind Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen. Ob im Jahr 2050 tatsächlich, wie vorhergesagt, gut neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, hängt von vielen Faktoren ab. Aber in diese Richtung wird es schon gehen. Das heißt: Das Bedürfnis nach Nahrung, Wohnraum, Bildung und besonders nach Energie wird stetig zunehmen, vielleicht sogar dramatisch. Das ist kein Grund für Untergangsvisionen und Ohnmachtsgefühle angesichts globaler Verteilungskämpfe. Vielmehr sollten wird an unsere Innovations- und Anpassungsfähigkeit glauben. Allerdings: Enger dürfte es schon werden, vor allem da, wo es ohnehin eng ist und wo es ruppig zugeht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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