https://www.faz.net/-gpf-81dzk

Kommentar : Schluss mit den Clownerien

Alexis Tsipras und Angela Merkel am Montag in Berlin Bild: dpa

Viele haben sich von dem Besuch von Alexis Tsipras eine Entspannung im Verhältnis zwischen Griechenland und Deutschland erhofft. Um respektierter Partner in Europa zu werden, muss der Regierungschef aber seine Widerstandspose ablegen.

          1 Min.

          Um den Berlin-Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ist ein Tamtam gemacht worden, wie es das lange nicht mehr gegeben hat. Da war oft von der Hoffnung die Rede, dass sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland, zwischen der Regierung Merkel und der Regierung Tsipras, entspannen möge – ganz so, als befänden wir uns auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, als sei das Tête-à-tête im Kanzleramt, der junge Alexis bei Euromutti, die letzte Chance, den großen Knall zu verhindern. Es wird Zeit, bei der Rhetorik abzurüsten und dafür der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, von der ja alle beteuern, sie solle eine gemeinsame Zukunft haben.

          Merkel zu Tsipras : Ökonomische Eckdaten in Griechenland müssen stimmen

          Klaus-Dieter Frankenberger

          Redakteur in der Politik.

          Denn schon lange ist klar, was Griechenland tun muss, um Land, Wirtschaft und Staat wieder auf die Beine zu bringen. Spätestens seit dem 20. Februar weiß auch Tsipras, was die Stunde geschlagen hat und dass Regieren eine ernste Sache ist. Kostbare Zeit hat die von ihm geführte Regierung aus Links- und aus Rechtsradikalen vertrödelt: mit Politclownerien, mit Erpressungsmanövern, mit dem Schüren antideutscher Ressentiments. Erreicht hat sie damit nichts, nur noch mehr Vertrauen ist darüber zerstört worden. Und das ist keine Redensart! Nun wird das Geld wirklich knapp.

          Die Bundesregierung will die Währungsunion zusammenhalten; sie war und ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen, selbst wenn das manchen irrigerweise noch zu wenig ist. Ob sich dieser Einsatz politisch lohnt oder ob er ihr noch um die Ohren fliegen wird, hängt in erster Linie von der Bereitschaft der griechischen Regierung ab, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Vor dieser Verantwortung kann sie sich nicht dadurch drücken, dass sie herzzerreißend von „politischen Lösungen“ spricht, weil sie den harten Weg der Reformen nicht gehen will. Es ist auch nicht so, dass die Partner Athen nicht entgegengekommen wären; sie haben das wiederholt getan.

          Vielleicht hat Tsipras nach dem Besuch in Berlin eine bessere Vorstellung von den Motiven und Zielen der deutschen Europa-Politik; Hegemoniestreben und „Diktate“ gehören dazu nicht. Wenn er Griechenland in der Eurozone halten und respektierter Partner in Europa bleiben will, muss er entsprechend handeln. Das ist nun wirklich alternativlos. Tsipras hat Vertragstreue versprochen. Das ist schon ein Fortschritt. Ein anderer läge darin, das Zwiegespräch der nationalen Stereotypen zu beenden.

          Weitere Themen

          Es geht in der K-Frage um eine „Teamlösung“ Video-Seite öffnen

          Dobrindt und Brinkhaus : Es geht in der K-Frage um eine „Teamlösung“

          CDU-Chef Armin Laschet und der CSU-Vorsitzende Markus Söder haben vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um Unterstützung für die angestrebte Kanzlerkandidatur geworben. Präsidiumsmitglieder mahnten die Parteien vor Beginn der Sitzung zu Geschlossenheit.

          Wieder ist Minneapolis im Notstand

          Nach Tod von Daunte Wright : Wieder ist Minneapolis im Notstand

          Nachdem am Sonntag ein Afroamerikaner bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen ist, kommt es im Großraum Minneapolis weiter zu Protesten. Der Fall überschattet den laufenden Prozess zum Tod von George Floyd.

          Topmeldungen

          Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

          Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

          Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.
          In der nächsten Saison nicht mehr in Frankfurt: Trainer Adi Hütter

          Hütter verlässt die Eintracht : Schlag ins Gesicht

          Dass Spieler gehen, wenn es läuft, ist im Fußball akzeptierte Wirklichkeit. Das vorzeitige Bye-bye von Sportvorständen und Trainern aber nicht. Vor allem, wenn darin kein sportlicher Aufstieg erkennbar ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.