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Deutsche Bischofskonferenz : Katholische Kirche will über Ursachen sexueller Gewalt beraten

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx. Bild: dpa

Mit einer weiteren Kaskade von Ankündigungen und Wohlverhaltensbekundungen ist die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu Ende gegangen. Deutliche Worte kamen vom Vorsitzenden, dem Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

          Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist mit einer weiteren Kaskade von Ankündigungen und Wohlverhaltensbekundungen zu Ende gegangen. Nach der vierten Beratungsrunde innerhalb eines halben Jahres kamen die Bischöfe nach Worten ihres Vorsitzenden, des Münchner Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx, zu dem Ergebnis, dass in der Auseinandersetzung mit dem Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche vieles auf einen „Weg der Erneuerung und Veränderung“ gebracht worden sei. Durch die Missbrauchs-Studie vom vergangenen September habe diese Bewegung einen „neuen Schub“ bekommen. „Eine Menge Dinge passieren und werden passieren“, sagte Marx unter Verweis auf die Darlegungen des „Missbrauchsbeauftragten“ der Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, vom Vortag.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Am konkretesten wurde Marx mit der Ankündigung, dass die Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen „synodalen Weg“ beschreiten wolle, um sich mit drei der mutmaßlich „systemischen“ Ursachen der sexualisierten Gewalt in der Kirche auseinanderzusetzen. Ins Auge gefasst werden sollten der Komplex „Umgang mit Macht in der Kirche“, des Weiteren die Zukunft der Lebensform der Priester und Bischöfe sowie eine Weiterentwicklung der Sexualmoral der katholischen Kirche. „So kann es nicht weitergehen“, sagte Marx, „Erschütterungen verlangen besondere Vorgehensweisen.“ Wie die Bischöfe in der Vergangenheit mit vielen Themen umgegangen seien, etwa durch Beschweigen, machten viele Gläubige nicht mehr mit.

          „Außerordentlicher Gesprächsbedarf“

          Unter dem Eindruck eines Studientages zu diesen drei Themen hätten die Bischöfe daher am Donnerstag einstimmig beschlossen, diesen synodalen Weg ins Auge zu fassen, so Marx. Nicht alle Bischöfe, aber viele verspürten auf dem einen oder anderen Feld „außerordentlichen Gesprächsbedarf“. So sei nicht nur die „Frage erlaubt und berechtigt, ob Lebensform des Priesters und Ehelosigkeit zwangsläufig aneinandergekoppelt sein müssten“. Marx gestand auch ein, dass die Kirche in ihrer Sexualmoral „entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht rezipiert habe. Die Moralverkündigung gebe der überwiegenden Mehrheit der Gläubigen keine Orientierung und friste ein Nischendasein, sagte der Kardinal.

          Den Rechts- und Zeitrahmen dieses „synodalen Weges“ ließ Marx offen und sprach stattdessen von Verbindlichkeit, Partizipation, Offenheit und Transparenz. Die Strukturierung dieser Idee soll nach Worten von Marx drei Foren obliegen, entsprechend den drei Themenkomplexen. Namentlich dafür verantwortlich sind der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Macht), der Münsteraner Bischof Felix Genn (Lebensform) und Marxens Stellvertreter Bischof Franz Josef Bode (Osnabrück; Sexualmoral).

          Bode soll auch den Kreis aus Klerikern und Laien koordinieren, der – wie vor fünfzig Jahren bei der Vorbereitung der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland in Würzburg von 1972 bis 1975 – den „synodalen Weg“ spuren muss. An Selbstbewusstsein mangelte es Marx namens der deutschen Bischöfe nicht. Die katholische Kirche in Deutschland, so der Vorsitzende, sei nach seinem Kenntnisstand die einzige Ortskirche weltweit, die sich diesen „systemischen“ Fragen ausdrücklich stelle und diesen auch nachgehen wolle.

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