Fall Palmer : Auch für die Grünen tragisch

Mit seinem Parteiaustritt hat Palmer den Grünen zumindest einen Freundschaftsdienst erwiesen. Doch alle Erleichterung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei einen einst erfolgreichen Politiker verloren hat.
Allerdings können Parteiausschlussverfahren für die vor Gericht ziehende Partei zum Ärgernis werden – siehe Thilo Sarrazin. Für die Geschassten können sie dagegen eine Bühne zur Selbstvermarktung sein. Darauf hat Palmer verzichtet und seiner Partei im Sturz einen Dienst erwiesen. Entsprechend erleichtert waren die Reaktionen.
Dreimal zum Oberbürgermeister gewählt
Das sollte aber nicht den Blick darauf verstellen, dass die Grünen einen lange erfolgreichen Politiker verlieren – auch wenn seine Mitgliedschaft zuletzt ruhte. Tübingen hat Palmer immerhin dreimal zum Oberbürgermeister gewählt. Noch im vergangenen Jahr, als er für viele Grüne längst schon als Rassist galt, wurde er im ersten Wahlgang wiedergewählt. Palmer polarisierte, aber die Wirtschaft wuchs, und die CO2-Emissionen sanken. Bis 2030 wollte Tübingen klimaneutral werden. Das dankten ihm die Wähler.
Es sind Politiker wie Palmer, denen Pragmatismus vor Parteipolitik geht, die die Grünen insbesondere auf kommunaler Ebene brauchen. Hier sind sie nicht so stark vertreten, wie sie es ihrem eigenen Anspruch nach sein sollten. Dass ihn seine Lust an der Provokation und am „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ so hat abgleiten lassen, ist tragisch – für ihn persönlich, aber auch für seine ehemalige Partei.






