NSU-Prozess : Ein Blick in Abgründe

Vor dem Münchner Oberlandesgericht geht der NSU-Prozess zu Ende. Das Gericht muss nach fünf Jahren Verhandlung darüber urteilen, ob Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte eine Schuld an der Mordserie der Gruppe haben.
Zum Schluss wollten alle einfach nur noch, dass es zu Ende geht. Das „Guten Morgen“, mit dem der Vorsitzende Richter den Gerichtssaal betrat, klang nicht mehr so zackig, die Riege der Nebenklägervertreter dünnte sich aus, und auf der Zuschauertribüne dösten an langen Nachmittagen die Justizbeamten vor sich hin. Als Beate Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer nach den Plädoyers noch einmal mit einem Befangenheitsantrag drohte, im Namen seiner Mandantin, die schon lange nicht mehr seine Mandantin sein will, fuhr Zschäpes „Vertrauensanwalt“ Hermann Borchert dazwischen: „Es wird keinen Befangenheitsantrag mehr geben!“ Vermutlich hat auch Beate Zschäpe nach fünf Jahren Prozess zu den Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ genug. Zuletzt hatte sie, blass und das lange Haar meist achtlos zusammengebunden, auf der Anklagebank den Kopf in die Hände gestützt, als ginge es darum, alles nur noch zu ertragen, bis es endlich vorbei ist.
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