Briefe :
Leserbriefe vom 9. August 2024

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Mit 140 Traktoren haben Landwirte aus dem Kreis Rhön-Grabfeld den Schriftzug "Sch... Bürokratie" dargestellt. Das Foto stammt aus dem Jahr 2006.
Mit 140 Traktoren haben Landwirte aus dem Kreis Rhön-Grabfeld den Schriftzug "Sch... Bürokratie" dargestellt. Das Foto stammt aus dem Jahr 2006.dpa/dpaweb

Bürokratieabbau +++ Schlachtruf gegen Trump +++ Angriff auf Golanhöhen +++ Chaos trotz Regeln +++ Olympia-Eröffnungsfeier

Digitalisierung statt Bürokratieabbau

Zu dem Leitartikel „Woran Deutschland krankt“ von Jasper von Altenbockum (F.A.Z. vom 1. August): Er analysiert treffend die historischen Wurzeln und aktuellen Auswüchse der Bürokratie in Deutschland. Allerdings greift seine Betrachtung in einem entscheidenden Punkt zu kurz: Er übersieht das enorme Potential der Digitalisierung zur Lösung des Problems. Das eigentliche Kernproblem sind nicht die Bürokratie an sich oder die Berichts- und Statistikpflichten für Unternehmen. Vielmehr liegt es in der noch immer weitgehend papiergebundenen und analogen Arbeitsweise vieler Behörden und Ämter. Eine konsequente Digitalisierung und Automatisierung aller Verwaltungsprozesse, unterstützt durch Künstliche Intelligenz, könnte den bürokratischen Aufwand sowohl für Unternehmen als auch für Behörden um schätzungsweise 70 Prozent reduzieren. In Deutschland scheitert die Digitalisierung oft noch an grundlegenden Voraussetzungen wie einheitlichen Standards, Schnittstellen und Datenformaten zwischen verschiedenen Behörden und Verwaltungsebenen. Der Nationale Normenkontrollrat fordert seit Jahren ein Standardisierungsregime, um diese Probleme zu lösen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das „Once-only-Prinzip“. Bürger und Unternehmen sollten bestimmte Standardinformationen nur einmal an die Verwaltung übermitteln müssen. Dafür braucht es eine funktionierende, modernisierte Registerlandschaft als Grundlage für effiziente digitale Verwaltungsdienstleistungen. Die Grundsteuer war hier ein Armutszeugnis, das den Bürgern auferlegte, Daten aus unterschiedlichen öffentlichen Quellen zu sammeln, um sie den Behörden zuzusenden. Altenbockum erwähnt zwar kurz die Digitalisierung, verkennt aber ihre transformative Kraft. Eine durchdachte Digitalisierungsstrategie könnte viele der von ihm beschriebenen Probleme lösen, ohne den Staat in seinen Kernfunktionen zu schwächen. Statt also nur über Bürokratieabbau zu diskutieren, sollten wir den Fokus auf eine umfassende digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung legen.
Christian Gasche, Frankfurt am Main

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