Briefe : Leserbriefe vom 3. Januar 2022

Joel Coen verfilmt Macbeth +++ Holetscheks Vorschlag +++ Beitragsstrafen für Ungeimpfte? +++ Nachruf Inge Jens +++ Urbi et Orbi
Verbiesterte Diskussion
Zur Filmkritik „Das dritte Hexenwerk im Kino“ (F.A.Z. Feuilleton vom 29. Dezember): Joel Coen lässt in seiner Filmversion von Shakespeares „Macbeth“ den schwarzen Hollywood-Star und Oscar-Preisträger Denzel Washington die Titelrolle, also einen weißen schottischen König spielen. Endlich ein prominentes Beispiel dafür, dass ganz selbstverständlich schwarze Künstler sich Figuren aus dem „weißen“ Kulturkreis aneignen dürfen!
In der Oper war das nie ein Problem: Leontyne Price hat Mozarts Donna Anna hinreißend gesungen und verkörpert, Jessye Norman Mozarts Gräfin Almaviva. Kann sich denn ein schwarzer Schauspieler, eine schwarze Sängerin in eine weiße Seele einfühlen? Was für eine dumme Frage! Und wie sollte sich eine weiße Sängerin nicht einfühlen können in die Frauengestalt aus einer fremden Ethnie? Dürfen dann in Zukunft nur noch japanische Sängerinnen Madame Butterfly singen? Was ist das für eine verbiesterte Diskussion und Argumentation, die einfach nicht anerkennen will, dass für Schauspiel und Oper nun einmal Kostüm und Maske unabdingbar und selbstverständlich sind! Ich freue mich jedenfalls als weißer alter Mann, schon ganz bald Denzel Washington als Macbeth bewundern zu können.
Bernd Reutler, Saarbrücken





