Leserbriefe vom 24. August 2021

Reaktivierung der Sirenen +++ Salzburger Festspiele +++ Magisches Denken +++ Katholisch im Osten +++ Bayreuther Festspiele
Sirenen statt Solar
Zu „Der deutsche Klimaprimus und die Klimalümmel“ von Jasper von Altenbockum (F.A.Z. vom 4. August): Die „Grünen“ möchten Milliardeninvestitionen in den Umweltschutz, fordern eine zeitnahe und dramatische Anhebung des CO2-Preises und wollen in einer allfälligen Koalition ein eigenes Ministerium mit Vetorecht schaffen, welches jedes Gesetz blockieren kann, sofern es nicht zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens und dem 1,5-Grad-Ziel beiträgt.
Nicht nur, dass gerade mit letzterem Punkt verfassungskonforme Gepflogenheiten außer Kraft gesetzt würden, weil bisher die Richtlinienkompetenz im Kanzleramt liegt – wieder einmal blieb die Partei auf ihrer Pressekonferenz mit den beiden Parteivorsitzenden besonders auf der Einnahmenseite vage: Woher kommen die Unsummen, die in die verschiedensten Projekte gepumpt werden sollen, die durch ihre deutsche Singularität wenig effektiv bleiben dürften? Und was entgegnet man bei Baerbock und Habeck auf die Vorhaltung, ihr „Energiegeld“ komme vor allem Besserverdienern zugute? Wer zahlt also die Zeche für einen zeitgeistigen Aktionismus, der den „kleinen Mann“ gerade deshalb besonders stark beuteln wird, weil seine Möglichkeiten zur Einsparung beim Treibhausgasausstoß nicht nur wegen finanzieller Knappheit, sondern vor allem aufgrund ausbleibender technologischer Alternativen begrenzt sind – und er auch künftig in seinem oftmals ländlich geprägten Lebensumfeld auf konventionelle Ressourcenträger angewiesen sein wird? Und ob nun bei der Öko-Partei, „Fridays for Future“ oder selbsternannten Klimarettern: Auch die Frage nach der Relation, dem Zweck und der Verhältnismäßigkeit der Ausgaben bleibt. Ist es sinnvoll, den zweifelsohne von den Menschen mitverantworteten Klimawandel mit derartigen Größenvolumina zu bekämpfen, ohne letztlich zu wissen, ob dieses Engagement nicht einfach verpuffen wird? Letztlich war das langfristige Wetter auf der Erde schon immer großen Schwankungen unterworfen und führte wiederkehrend und in gleichsam regelmäßigen Abständen zu Extremereignissen. Die Ursache ihrer vermeintlich zunehmenden Frequenz kann bis heute lediglich in der emissionsgesteuerten Klimaerwärmung vermutet, aber wegen des zu kurzen Beobachtungszeitraums nicht abschließend empirisch oder evidenzbasiert untermauert werden. Ist es unter dieser Maßgabe also nicht eher empfehlenswert, weniger Kraft und materiellen Aufwand in den Widerstand gegen manch eine Gottgegebenheit zu stecken und dafür mehr liquide Mittel zur Anpassung der Bevölkerung auf gewisse Unabänderlichkeiten bereitzustellen? Und wäre es demnach nicht auch zielführender, Millionen für die Reaktivierung aller Sirenen in den deutschen Kommunen, die Erstellung von Gefahrenplänen für sämtliche unwetterbezogenen Risikogebiete und eine staatlich unterstützte Elementar-Pflichtversicherung lockerzumachen, statt mit Milliarden die Subvention von Solardächern zu finanzieren – deren Anschaffung den Geringverdiener trotz staatlicher Unterstützung um seine Rücklagen bringen und deren Umsetzung an vielen Orten schon technisch und geographisch bedingt scheitern wird? Dennis Riehle, Konstanz





