Leserbriefe vom 24. August 2020

Sprache im Kölner Karneval +++ karnevalistischer Ernst +++ Stiftung Preußischer Kulturbesitz +++ klassische Denktraditionen
Mit Kölsch die Vorurteile wegspülen
Zu „Narretei“ von Jasper von Altenbockum (F.A.Z. vom 20. August): Als Journalist haben Sie es heute schwer, nicht in eines der vielen Diskriminierungs-Fettnäpfen zu tapsen, die die politisch Korrekten inzwischen fast bodendeckend aufgestellt haben. Man muss höllisch aufpassen. Da waren Sie offenbar froh, ein freies Fleckchen zu entdecken, wo Sie mal richtig hintreten können. So etwas macht doch, ich kann es nachvollziehen, einfach Spaß. Mal so richtig austeilen zu dürfen: „alkoholgeschwängerte Wolke aus Kappen, Kappes und Kommerz, die sich . . . über bemühtem Frohsinn ausregnen darf“.
Freundlich gesagt: Verlassen Sie mal Ihren anstrengenden Elfenbeinturm und begeben Sie sich ins Rheinland, aber nicht unbedingt zu den Rosenmontagszügen (obwohl die sich auch häufig lohnen), sondern in den Tagen davor auf einige der zahllosen Veeedelszööch, bei denen ohne Kommerz, aber mit großem Aufwand und gleichzeitig mühelosem Frohsinn lockere Stimmungen erzeugt werden, wie sie sich der gewöhnliche Karnevalsverächter nur in Brasilien oder sonst wo in der Ferne vorstellen kann. Und abends können Sie sich dann ja bei der Haute Cuisine des Karnevals, zum Beispiel der Pink-Punk-Pantheon-Show in Bonn oder der Stunksitzung in Köln mit einem guten Wein Ihre Vorurteile wegspülen lassen. Ein paar Kölsch reichen aber auch. Der Karneval, den Sie wohl bei ARD und ZDF gesehen haben, ist so repräsentativ wie das Münchner Oktoberfest für die Biergartenkultur in Bayern. Rudolf Wedekind, Hamburg





