Briefe :
Leserbriefe vom 22. November 2021

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Analytischer Blick auch auf sich selbst: Freud betrachtet eine Büste seiner selbst, die ihm 1931 von O. Nemen präsentiert wird.
Analytischer Blick auch auf sich selbst: Freud betrachtet eine Büste seiner selbst, die ihm 1931 von O. Nemen präsentiert wird.Picture Alliance

Psychoanalyse +++ Merkels Wähler +++ Bundeswehr +++ Geistersoldaten

Eine große Bedeutung für die Demokratie

Zu „Wo bleibt die dritte Aufklä­rung?“ von Mari­an­ne Leuzin­ger-Bohle­ber (F.A.Z. vom 11. Novem­ber): In ihrem beein­dru­cken­den Plädoy­er für den Erhalt der Psycho­ana­ly­se an der Frank­fur­ter Univer­si­tät anläss­lich der Neube­set­zung der Profes­sur von Tilmann Haber­mas legt Frau Profes­sor Leuzin­ger-Bohle­ber über­zeu­gend dar, in welchem inni­gen Zusam­men­hang die Psycho­ana­ly­se als psycho­lo­gi­sche Wissen­schaft und psycho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lungs­me­tho­de mit einem Aufklä­rungs­den­ken verbun­den sein kann, das für unsere Demo­kra­tie und für Fragen, wie man deren Gefähr­dung begeg­net, eine große Bedeu­tung hat. Die Deut­sche Psycho­ana­ly­ti­sche Gesell­schaft würde es außer­or­dent­lich bedau­ern, wenn es für diese einzig­ar­ti­ge und inter­na­tio­nal aner­kann­te Konstel­la­ti­on an der Univer­si­tät Frank­furt und im Fach­be­reich Psycho­lo­gie in Frank­furt keinen Platz mehr geben könnte. Es würde einen weite­ren Schritt der Margi­na­li­sie­rung bedeu­ten und einem verbrei­te­ten In- teres­se von Studie­ren­den an der Psycho­ana­ly­se als Wissen­schaft und Psycho­the­ra­pie wider­spre­chen, die auf den Beruf des Psycho­the­ra­peu­ten quali­fi­ziert vorbe­rei­tet werden wollen. Beset­zun­gen von Hoch­schul­pro­fes­su­ren sind immer auch wissen­schafts­po­li­ti­sche Entschei­dun­gen. Eine verfah­ren­sun­spe­zi­fi­sche Ausschrei­bung verdeckt unter herr­schen­den Bedin­gun­gen, der nahezu 100 Prozent Beset­zung von Hoch­schul­pro­fes­su­ren durch Verhal­tens­the­ra­peu­ten und dem damit verbun­de­nen perso­nel­len und finan­zi­el­len Lehr-, Forschungs- und akade­mi­schen Quali­fi­zie­rungs­po­ten­ti­al an Promo­tio­nen und Habi­li­ta­tio­nen, die Fort­schrei­bung des Ausschlus­ses von Psycho­ana­ly­ti­kern aus der Psycho­lo­gie an den Univer­si­tä­ten, die einer unaus­ge­spro­che­nen, aber dennoch inten­dier­ten Verun­mög­li­chung der Akade­mi­sie­rung von Psycho­ana­ly­se gleich­kommt. Da diese exklu­die­ren­de Wissen­schafts­pra­xis eine jahr­zehn­te­lan­ge Tradi­ti­on hat, ist es nicht verwun­der­lich, dass sich keine psycho­ana­ly­ti­sche Wissen­schafts­kul­tur und keine Gemein­schaft von psycho­ana­ly­tisch orien­tier­ten Wissen­schaft­lern, Profes­so­ren und Forschern in der univer­si­tä­ren Psycho­lo­gie heraus­bil­den konnte und heraus­bil­den kann. Auf diesem Hinter­grund von Chan­cen­gleich­heit bei einem Beset­zungs­ver­fah­ren zu spre­chen, heißt die Menschen für dumm zu verkau­fen und zeugt wenig von einem der Wahr­heit und Aufrich­tig­keit verpflich­te­ten wissen­schaft­li­chen Ethos. Auch die Hoch­schul­au­to­no­mie in diesem Falle anzu­füh­ren, führt in die Irre, da diese im Fall der univer­si­tä­ren Psycho­lo­gie zu einer wissen­schaft­li­chen Mono­po­li­sie­rung durch die Verhal­tens­the­ra­pie anstatt zu einer wissen­schaft­li­chen Viel­falt geführt hat, in der der Psycho­ana­ly­se ein würdi­ger Platz gebührt. Klaus Grabs­ka, Vorsit­zen­der der Deut­schen Psycho­ana­ly­ti­schen Gesell­schaft, Hamburg

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