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Übertragung des Coronavirus : „Das Tier verkaufen, solange es noch atmet“

Schuppentiere, hier in der Steppe von Namibia, landen oft auf Märkten in China. Bild: Biosphoto/juniors@wildlife

Unter Mao haben die Chinesen ihre Tierliebe verloren, sagt der Aktivist Peter Li. Den Wildtierhändlern gehe es nur noch um Profit. Li hofft, dass die Märkte nach der Pandemie geschlossen bleiben – trotz einer starken Lobby.

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          Doktor Li, Sie forschen an der Universität Houston in Texas zur chinesischen Tierschutzbewegung und kennen sich mit dem Handel von Wildtieren aus. Auf einem Markt in Wuhan ist das neue Coronavirus offenbar zum ersten Mal auf einen Menschen übergesprungen. Wie sieht es dort aus?

          Livia Gerster
          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir nennen diese Märkte „nasse Märkte“, weil Blut und Dreck ständig mit Wasser weggespült werden. Die Tiere werden lebendig verkauft und dann an Ort und Stelle geschlachtet. Üblicherweise kauft man auf solchen Märkten Hühner, Tauben, Hasen, Enten und Schildkröten. Im Süden von China auch Hunde und Katzen. Und dann gibt es manchmal noch Abteilungen für exotische Tiere, wie in Wuhan. Dort gibt es Schlangen, Schleichkatzen, Tausendfüßer, Skorpione, Pfaue, Frösche und viele andere Tiere. Sie sind in winzige Käfige gepfercht, haben gebrochene Knochen und offene Wunden. Meist sind sie besinnungslos vor Leid, aber das interessiert niemanden. Alles, was für die Händler zählt, ist der Preis. Und dass sie das Tier verkaufen, solange es noch atmet. Wildtierhändler gehören zu den rohsten Chinesen überhaupt. Sie kommen vom Land und haben das Schlachten von Kindesbeinen an gelernt. Die alten Händler sind die brutalsten. Sie haben damals in Maos China Hunger gelitten. Fleisch ist für sie das Wichtigste.

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