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Tunesien : Eine Mehrheit für die Verfassung – in der Minderheit der Wähler

Der tunesische Präsident grüßt nach dem Referendum in Tunis seine Anhänger. Bild: via REUTERS

Die Anhänger von Präsident Kaïs Saïed feiern – fast drei Viertel der Tunesier aber blieben der Abstimmung fern. Nun droht dem Hoffnungsland des Arabischen Frühlings ein autokratischer Herbst.

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          Für den tunesischen Präsidenten galten selbst seine eigenen Vorschriften nicht: Während des Verfassungsreferendums hatten die Politiker in Tunesien zu schweigen, doch Kaïs Saïed setzte sich darüber hinweg, nachdem er in Tunis am Montag seine Stimme abgegeben hatte. Er rief dazu auf, wählen zu gehen, und beschimpfte in einer kurzen Rede finstere Mächte, die sich ihm in den Weg stellten. Das staatliche Fernsehen sendete seine Worte sogleich.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Dabei wäre die Intervention gar nicht nötig gewesen: Der Nachwahlbefragung des Meinungsforschungsinstituts Sigma Conseil zufolge stimmten mehr als 90 Prozent der Wähler für die neue Verfassung, die der Staatschef selbst geschrieben hatte. Nur etwas mehr als sieben Prozent waren dagegen. Allerdings stimmten nicht einmal 28 Prozent der knapp neun Millionen Wahlberechtigten ab, wie die unabhängige Wahlkommission ISIE mitteilte.

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