https://www.faz.net/-gpf-7qdd7

Poroschenko und Putin telefonieren : Schwere Gefechte im Osten der Ukraine

  • Aktualisiert am

Vor den schweren Gefechten: Separatisten an einer Straßensperre in Mariupol Bild: AFP

Ukrainische Regierungstruppen haben offenbar Mariupol zurückerobert. Putin und Poroschenko telefonierten erstmals miteinander. Doch die Lage zwischen Moskau und Kiew bleibt angespannt.

          3 Min.

          Nach schweren Gefechten in der Ukraine haben die Regierungstruppen nach eigenen Angaben die prorussischen Separatisten aus dem Zentrum der Großstadt Mariupol vertrieben. Demnach setzte die Armee bei den Kämpfen Granatwerfer und gepanzerte Fahrzeuge ein. Mindestens fünf Aufständische seien getötet und vier Soldaten verletzt worden, teilte Innenminister Arseni Awakow am Freitag in Kiew mit.

          „Die Anti-Terror-Operation begann im Morgengrauen und dauert an“, sagte Awakow. Die Sicherheitskräfte hätten zahlreiche Scharfschützen und Straßensperren „unschädlich“ gemacht. Viele Bürger der Hafenstadt hätten sich in Kellern in Sicherheit gebracht, berichteten örtliche Medien.

          Auch an der ukrainischen Grenze zu Russland rückten Regierungseinheiten gegen militante Aufständische vor. Sie brachten nach eigenen Angaben einen rund 120 Kilometer langen Gebietsstreifen unter ihre Kontrolle, den die Grenztruppen dort aufgegeben hatten.

          Unklarheit herrschte derweil über angebliche Panzer sowjetischer Bauart aus Russland in Händen der Separatisten. Die Führung in Kiew teilte mit, dass mehrere Militärfahrzeuge illegal über die Grenze in die Ukraine gebracht werden sollten. Bei Gefechten habe es mindestens vier Tote und 31 Verletzte gegeben. Eine Bestätigung lag zunächst nicht vor.

          Telefonat zwischen Putin und Poroschenko

          Überschattet vom Gasstreit und dem Konflikt in der Ostukraine haben die Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, erstmals miteinander telefoniert. Die Staatschefs hätten „mehrere aktuelle Themen“ besprochen, teilte der Kreml am Donnerstag in Moskau mit. Zuletzt waren Verhandlungen über ein Ende des milliardenschweren Gasstreits mehrfach ergebnislos vertagt worden. Putin und Poroschenko hatten am vergangenen Freitag am Rande der Feierlichkeiten zum D-Day in der Normandie kurz über den Konflikt in der Ostukraine gesprochen. Das Präsidentenamt übernahm der Ende Mai gewählte Poroschenko aber erst tags darauf offiziell.

          Die ukrainische Führung warf Russland vor, trotz aller Zusagen die Versorgung der Separatisten mit Waffen nicht zu verhindern. Mindestens drei Panzer für die militanten Aufständischen seien illegal über die Grenze gelangt, teilte Poroschenko am Donnerstag in Kiew mit. Moskau kommentierte die Vorwürfe zunächst nicht.

          Putin und Poroschenko zusammen mit Angela Merkel am Rande der Feierlichkeiten zum D-Day in der Normandie
          Putin und Poroschenko zusammen mit Angela Merkel am Rande der Feierlichkeiten zum D-Day in der Normandie : Bild: dpa

          EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso rief Russland nach einem Telefonat mit Poroschenko auf, jegliche Militäraktion in der krisengeschüttelten Region zu unterlassen. Moskau hat wiederholt dementiert, Waffen für prorussische Separatisten in der Ukraine über die Grenze zu lassen.

          Am Freitag kommen die Menschenrechtsbeauftragten der Ukraine und Russlands zu einem Gespräch über humanitäre Fragen zusammen. Zu dem Treffen in der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw reist Ella Pamfilowa aus Moskau an. Aus Kiew kommt ihre Amtskollegin Walerija Lutkowskaja. Beide wollen unter anderem über die Einhaltung der Menschenrechte während der Gefechte im Osten der Ukraine sprechen. Dort gehen Regierungskräfte seit Wochen bei einer „Anti-Terror-Offensive“ gegen prorussische Separatisten vor. Die Führung in Moskau fordert ein Ende der blutigen Kämpfe und einen Dialog aller Seiten.

          OSZE fordert sofortige Waffenruhe

          Der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Lamberto Zannier rief alle Seiten zu einer sofortigen Waffenruhe auf. „Kämpfe müssen beendet und Verhandlungen begonnen werden“, sagte Zannier am Donnerstag nahe der südrussischen Millionenstadt Rostow am Don. Er sprach dort mit Familien, die vor den Gefechten im krisengeschüttelten Nachbarland geflüchtet sind. Poroschenko schloss Gespräche mit den prorussischen Separatisten nicht aus. „Die Terroristen müssen aber ihre Waffen niederlegen“, sagte er als Bedingung für den Dialog.

          Die militanten Aufständischen riefen Russland zur Entsendung von „Friedenstruppen“ in die Ostukraine auf. „Wir halten die Stellungen mit letzten Kräften. Russische Einheiten würden helfen, das Blutvergießen zu beenden“, sagte Separatistenführer Denis Puschilin, der auf der Sanktionsliste der EU steht. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies den Appell zurück. Angesichts der Erklärung von Poroschenko gebe es Hoffnung auf einen Dialog, sagte er in Moskau. Die Kämpfer in der Ostukraine seien zum Waffenstillstand bereit.

          Gefechte in der Ostukraine

          In der Ostukraine kam es wieder zu Gefechten zwischen Separatisten und Regierungseinheiten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Angesichts der angespannten Sicherheitslage stellte das polnische Konsulat in Donezk vorübergehend seine Arbeit ein. Die Führung in Warschau rief alle Polen auf, das Gebiet umgehend zu verlassen. Das polnische Konsulat war die letzte noch geöffnete diplomatische Vertretung eines EU-Landes in der ostukrainischen Bergbauregion.

          OSZE-Generalsekretär Zannier sprach sich für einen Runden Tisch in der Ukraine mit Vertretern aller Seiten aus, auch der Aufständischen. Die Protestführer müssten aber ihre Waffen abgeben. Puschilin wies dies zurück. Die selbst ernannte Volksrepublik Lugansk habe mehrere Staaten, darunter Syrien und China, um Anerkennung als souveräner und unabhängiger Staat gebeten, sagte der Separatistenführer.

          Russland wiederholte Forderungen nach einem Fluchtkorridor in der benachbarten früheren Sowjetrepublik. Die Führung in Kiew müsse ihren Worten endlich Taten folgen lassen, betonte der Leiter der Kreml-Verwaltung, Sergej Iwanow, in Moskau.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Abteilungsleiter für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Keith Krach, traf am 18. September in Taiwan mit Ministerpräsident Su Tseng-chang zusammen.

          Militärmanöver : Plant China einen Angriff auf Taiwan?

          Amerikas Beziehungen mit Taiwan werden immer enger. Nun plant Washington neue Waffenverkäufe an Taipeh – und verärgert damit China. Peking verschärft seine Drohgebärden in Richtung der Insel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.