Präsident Saïed wiedergewählt :
Tunesien geht den üblichen Weg

Nikolas Busse
Ein Kommentar von
Lesezeit:
Der tunesische Präsident Kaïs Saïed (Mitte) am Sonntag in der Hauptstadt Tunis
Der tunesische Präsident Kaïs Saïed (Mitte) am Sonntag in der Hauptstadt TunisAFP

Wenn über Ungerechtigkeiten in der arabischen Welt geklagt wird, wird zu selten gefragt, warum sich freiheitliche Ideen nicht durchsetzen können. Im Fall Tunesiens lag es jedenfalls nicht an der EU.

Die „Wahl“ in Tunesien vollendet die Rückkehr des kleinen Maghreb-Landes zur Autokratie. Präsident Kaïs Saïed hatte schon zuvor systematisch die Exekutive gestärkt, das Parlament geschwächt und die Opposition verfolgen lassen. Nun hat er für ein Wahlergebnis gesorgt, das sogar den früheren Diktator Ben Ali übertrifft. Was die Mehrheit der Tunesier davon hält, lässt sich der niedrigen Wahlbeteiligung entnehmen.

Viel Geld und politisches Kapital

Trotzdem kann es keinen Zweifel geben, dass der „Arabische Frühling“ weitgehend verblüht ist. Tunesien hatte ein paar unruhige Jahre der politischen Öffnung, die für arabische Verhältnisse modellhaft waren, ging aber letztlich den üblichen Weg.

Wenn über die vielen Ungerechtigkeiten in der arabischen Welt geklagt wird, wird zu selten die Frage gestellt, warum sich freiheitliche Ideen in diesen Gesellschaften nicht durchsetzen können. An mangelnder Hilfe von außen lag es im Fall Tunesiens sicher nicht. Die EU hat viel Geld und politisches Kapital in das Land gesteckt.

Das ist allerdings kein Grund, sich nun abzuwenden. Autokraten ziehen ihresgleichen aus Russland, China oder Iran magisch an, so ist es nun auch in Tunesien. Schon deshalb hatte die EU-Kommission recht, als sie in der Migrationsfrage die Zusammenarbeit mit Saïed suchte, auch wenn der sich oft störrisch gibt. Man kann sich seine Partner nicht aussuchen, vor allem wenn sie eine strategisch wichtige Position am Mittelmeer innehaben.

Empfehlungen
Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Erzieher Krippe (m/w/d)
IKF Integrative Kinderförderung GmbH
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Leiter Zentrale Dienste (m/w/d)
Bergische Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid
Zum Stellenmarkt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Stellenmarkt
Zum Stellenmarkt