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Politikmüdes Volk : Venezuelas Parallelwelten

Für Maduro auf der Straße: Anhänger der Sozialisten in Caracas. Bild: AP

Weder die Wahl noch die Volksbefragung der Opposition haben die Massen in Venezuela mobilisiert. Viele Bürger haben keine Zeit für die politischen Spielchen zwischen dem Regime von Maduro und der Opposition um Guaidó.

          3 Min.

          Man kennt die Tragödien mit vielen ertrunkenen Flüchtlingen vom Mittelmeer, doch sie spielen sich auch in der Karibik ab. Dort wurden am Wochenende 19 Leichen geborgen. Ein Boot mit Venezolanern war offenbar gekentert. Sie wollten vom Festland aus mit einem Boot nach Trinidad und Tobago übersetzen, das nur hundert Kilometer entfernt von Venezuela liegt. Unter den Toten waren mehrere Kinder und Babys. Die Bilder der Toten, die in den sozialen Netzwerken kursierten, sind unerträglich – ein Ausdruck der Verzweiflung vieler Venezolaner. Fünf Millionen haben in den vergangenen Jahren ihr Land verlassen, um dem Elend und der Hoffnungslosigkeit zu entfliehen. 300 Dollar soll die Überfahrt nach Trinidad und Tobago kosten. Das ist ein Vermögen in einem Land, in dem sich mit dem Mindestlohn gerade einmal ein paar Eier kaufen lassen.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          „Meine Hoffnung“ hieß das Boot, das auf der Überfahrt zu dem karibischen Inselstaat Schiffbruch erlitt. Es soll Venezuela am Vorabend der Parlamentswahl vor einer Woche verlassen haben. Die Flüchtlinge auf dem Boot gehörten zu den über zwei Dritteln der Venezolaner, die nicht an dieser Wahl teilnahmen. Sie taten es nicht, weil der Wahlprozess von vornherein beeinträchtigt und undemokratisch war, sondern weil sie keine Zeit haben für die politischen Spielchen zwischen dem Regime von Nicolás Maduro und der Opposition um Parlamentspräsident Juan Guaidó. Sie gehören zu der großen Mehrheit der Venezolaner, die sich nicht mehr an der politischen Auseinandersetzung beteiligen. Sie unterstützen weder Maduro noch Guaidó. Der Sieg der Sozialisten des diktatorisch regierenden Präsidenten Maduro bei den Parlamentswahlen war ungefährdet. Sie gewannen fast 70 Prozent der Stimmen und damit mehr als 90 Prozent der Sitze der Nationalversammlung, die künftig nur unwesentlich vielfältiger sein wird als der Nationale Volkskongress in China.

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