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Krise in Bolivien : Mexikos Luftwaffe bringt Morales ins Exil

  • Aktualisiert am

Boliviens Ex-Präsident Evo Morales Bild: dpa

„Bald komme ich mit mehr Kraft und Energie zurück“, schreibt der frühere bolivianische Präsident vor seinem Abflug auf Twitter. Die Armee will gegen Ausschreitungen seiner Anhänger vorgehen – und der Verteidigungsminister legt sein Amt nieder.

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          Nach seinem Rücktritt hat sich der frühere bolivianische Präsident Evo Morales nach eigenen Angaben auf den Weg ins Exil in Mexiko gemacht. „Schwestern und Brüder, ich breche nach Mexiko auf“, schrieb er am Montag auf Twitter. „Es schmerzt mich, das Land aus politischen Gründen zu verlassen, aber ich werde mich immer kümmern. Bald komme ich mit mehr Kraft und Energie zurück.“

          Die mexikanische Regierung bestätigte, dass sich Morales an Bord einer Sondermaschine befand. „Evo Morales ist in dem Flugzeug der mexikanischen Regierung, das geschickt wurde, um seinen sicheren Transport in unser Land zu gewährleisten“, schrieb Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard auf Twitter.

          Zuvor hatte Mexiko erklärt, Morales aus humanitären Gründen Asyl zu gewähren. Das Leben des früheren Präsidenten sei in Bolivien in Gefahr, sagte Ebrard. Mexiko hatte ein Flugzeug seiner Luftwaffe geschickt, um Morales in Bolivien abzuholen.

          Dieses habe aus technischen Gründen zwischenlanden müssen, berichtete die mexikanische Zeitung „La Jornada“ am Dienstag unter Berufung auf das Außenministerium. Aus anderen Quellen hieß es, Peru habe dem mexikanischen Flugzeug keine Überflugerlaubnis erteilt und deshalb habe die Maschine mit Morales an Bord in Paraguay landen müssen. Wie die paraguayische Tageszeitung „ABC Color“ schrieb, habe Paraguays Regierung Morales ebenfalls Asyl angeboten.

          Armee plant Einsatz mit der Polizei

          Auf Druck des Militärs war Morales am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. In der Nacht zu Dienstag legte auch Verteidigungsminister Javier Zavaleta López sein Amt nieder. Zur Begründung nannte er die Ereignisse der vergangenen Tage. „Der Staat, den wir aufgebaut haben, ist ein Bolivien, in dem das Militär an der Seite des Volkes sein Heimatland verteidigen soll und nicht gegen sein Volk“, sagte er in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft. Er habe dem Militär niemals den Befehl gegeben, gegen das Volk vorzugehen und werde dies niemals tun.

          Zavaleta appellierte an den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Carlos Mesa und den Oppositionsführer Luis Fernando Camacho, eine friedliche Lösung für den Konflikt in Bolivien zu finden. „Geschosse sind weder die Antwort noch die Lösung“, sagte der zurückgetretene Minister. Der 49 Jahre alte Zavaleta war seit Januar 2018 im Amt.

          Dieses Bild von Morales mit einer mexikanischen Flagge verbreitete der mexikanische Außenminister Ebrard

          Evo Morales hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel anmeldeten. Seine Gegner warfen ihm daraufhin Wahlbetrug vor.

          Angesichts der gewaltsamen Proteste von Anhängern von Morales will nun die Armee eingreifen. Es werde gemeinsame Aktionen mit der Polizei geben, um die in verschiedenen Regionen des Landes ausgebrochenen Proteste zu unterbinden, kündigte Armeechef William Kaliman im Fernsehen an. Kurz zuvor hatte der Polizeichef der Hauptstadt La Paz, José Barrenechea, die Armee zum Eingreifen aufgefordert. Die Polizei sei angesichts der Gewalt „überfordert“, sagte er zur Begründung.

          Aus Protest gegen den durch Proteste erzwungenen Rücktritt von Morales war es landesweit zu Demonstrationen seiner Anhänger gekommen. So machten sich am Montag mehrere hundert Menschen von der Stadt El Alto auf den Weg in die Hauptstadt La Paz, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Oppositionsführer Mesa bat über Twitter die Polizei um Hilfe vor einem „gewalttätigen Mob“, der sich auf sein Haus zu bewege.

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